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Farnborough Airshow 2026: Boeing schlägt Airbus bei verhaltenen Aufträgen

Boeing sicherte sich 173 Bestellungen und übertraf damit knapp Airbus mit 154 Orders – bei insgesamt gedämpfter Auftragslage.

Farnborough Airshow 2026: Boeing schlägt Airbus bei verhaltenen Aufträgen

Die Farnborough Airshow 2026 ist zu Ende gegangen – und das Fazit fällt nüchtern aus. Boeing erzielte 173 feste und vorläufige Bestellungen und setzte sich damit knapp gegen den europäischen Rivalen Airbus durch, der 154 Orders verbuchte. Die kombinierte Gesamtzahl von 327 Flugzeugen lag zwar im Rahmen der Branchenerwartungen von rund 300 Bestellungen, verfehlte jedoch optimistischere externe Prognosen von bis zu 800 Flugzeugverkäufen deutlich.

Die diesjährige Messe verdeutlichte einen übergreifenden Branchentrend: Das einstige „süchtig machende Hochgefühl" spektakulärer Rekordbestellungen weicht zunehmend der nüchternen Realität. Analysten und Branchenführer betonten, dass das aktuelle Umfeld von enormen, bereits bestehenden Auftragsrückständen geprägt ist, die weit ins nächste Jahrzehnt reichen. Airline-Analyst John Strickland brachte es auf den Punkt: „Ich hatte keine hohen Erwartungen an große kommerzielle Aufträge auf der Messe – nicht unbedingt wegen des aktuellen makroökonomischen oder geopolitischen Klimas, sondern weil bereits viele große Aufträge vorliegen." Die Hersteller priorisieren daher die Erfüllung bestehender Verpflichtungen gegenüber der Jagd nach neuen, schlagzeilenträchtigen Verkäufen.

Das Highlight der Woche: SMBC teilt Großauftrag auf

Das bedeutendste Einzelgeschäft der Messe kam von SMBC Aviation Capital, dem weltweit zweitgrößten Flugzeugleasingunternehmen. Der Leasinggigant teilte einen Auftrag über 200 Schmalrumpfflugzeuge gleichmäßig zwischen beiden Herstellern auf: 100 Boeing 737 MAX und 100 Airbus A320neo-Familienmuster. Dieser Deal war ein entscheidender Bestandteil der Wochenbilanz. Bereinigt man die Gesamtzahl um Bestellungen, die bereits ohne namentlich genannte Käufer in den Büchern der Hersteller standen, ergibt sich ein Wert von 218 Flugzeugen. Das ist zwar ein leichter Anstieg gegenüber der Farnborough-Messe 2024, bleibt aber weit hinter dem zyklischen Höchststand von 1.109 Bestellungen aus dem Jahr 2018 zurück.

Neben dem Schmalrumpfsegment blieb auch die Nachfrage nach Großraumflugzeugen ein zentrales Thema. Riyadh Air und Philippine Airlines waren auf der Messe aktiv und verhandelten mit beiden Herstellern über den Ausbau ihrer Langstreckenflotten. Leasinggigant AerCap erweiterte sein Portfolio zudem durch den Kauf zusätzlicher Boeing 787 Dreamliner. Auch Embraer war präsent und meldete Bestellungen für 50 Regionalflugzeuge, darunter 20 Frachtmaschinen.

Produktion statt Bestellungen: Die eigentliche Herausforderung

Die industriellen Engpässe bleiben das bestimmende Thema der Branche. Jahrelange Arbeitskräftemangel, Produktionsrückschläge und Lieferkettenprobleme haben sowohl Boeing als auch Airbus dazu gezwungen, die Steigerung der Produktionsraten in den Vordergrund zu stellen – und nicht die bloße Anhäufung neuer Aufträge. Stephanie Pope, CEO von Boeing Commercial Airplanes, betonte dies bereits am Vorabend der Messe unmissverständlich: „Die Nachfrage ist nicht das Problem."

Wie stark der Fokus auf die Produktionskapazitäten liegt, zeigte auch ein massiver Triebwerksauftrag: CFM International sicherte sich einen Auftrag über mehr als 1.000 LEAP-1A-Triebwerke für 500 bereits bestellte Airbus-Jets. Dieser Deal unterstreicht den enormen Druck auf die Triebwerkslieferkette, die in den vergangenen Jahren zu einem der größten Engpässe bei Flugzeugauslieferungen geworden ist. Sowohl CFM als auch Pratt & Whitney berichteten, dass sich die industrielle Lage stetig verbessere – der Auftragsrückstand bleibe jedoch eine erhebliche Hürde.

Strategisch zeigten die beiden Hersteller unterschiedliche Schwerpunkte. Airbus nutzte die Messe, um seine A350-1000 zu präsentieren, während das Unternehmen eine mögliche Streckung des Jets prüft, um mit Boeings verzögertem 777X-Programm zu konkurrieren. Boeing hingegen brachte keines seiner großen kommerziellen Modelle zur Schau, da sich derzeit drei seiner Programme im Zertifizierungsprozess befinden.

Die Branche befindet sich insgesamt in einem Übergang: weg von einer Phase der expansiven Bestellrekorde hin zu einer disziplinierteren Phase der industriellen Umsetzung und verlässlichen Auslieferung. Für Anleger und Beobachter des Sektors bedeutet das: Nicht die Auftragszahlen allein, sondern die Fähigkeit zur pünktlichen Lieferung wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

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