Fachkräftemangel trifft auf zögerliche Rekrutierung im Ausland
Trotz großer Lücken sucht nur jede fünfte Firma international nach Personal

Bei einer Einbürgerungsfeier im Historischen Rathaus Köln betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung von Migration für die Zukunft Deutschlands. Ohne Einwanderung habe das Land deutlich weniger Chancen auf eine gute Entwicklung, sagte er. Zugleich verwies er auf die Notwendigkeit, dass Deutschland auch künftig auf Zuzug angewiesen sei. Diese Aussage steht im Kontext der demografischen Entwicklung: In den kommenden zehn Jahren wird der Arbeitsmarkt in Deutschland mit einem Rückgang von über vier Millionen Arbeitskräften konfrontiert sein, da mehr Menschen in den Ruhestand gehen als junge nachrücken.
Trotz dieser Perspektive zeigt eine aktuelle Auswertung des Personalmarktdienstleisters Index Research, dass deutsche Unternehmen bei der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland bislang zurückhaltend agieren. Nur ein geringer Anteil der Stellenausschreibungen wird auf Englisch veröffentlicht, was als Signal für internationale Arbeitskräfte gelten könnte. Im ersten Quartal 2025 lag der Anteil solcher Anzeigen bei lediglich 3,6 Prozent. Selbst während der pandemiebedingten Einreisebeschränkungen im Jahr 2022 war dieser Anteil höher.
Besonders auffällig ist die geringe Zahl englischsprachiger Stellenangebote in Branchen mit hohem Fachkräftebedarf. Im Bauwesen und Handwerk lag der Anteil bei nur 0,14 Prozent, in den Bereichen Gesundheit, Medizin und Soziales bei unter 0,5 Prozent. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass gerade hier besonders viele Betriebe von Personalengpässen betroffen sind. Auch in Hochtechnologie, Forschung und Entwicklung ist ein Rückgang an englischsprachigen Ausschreibungen zu verzeichnen, obwohl Deutschland gezielt hofft, qualifizierte Fachkräfte aus den USA anzulocken.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Während in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen kaum auf Englisch geworben wird, liegen Städte wie München, Berlin und Frankfurt deutlich über dem Durchschnitt. Frankfurt wies im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Zuwachs von über 26 Prozent auf.
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Zur AktienanalyseGründe für die zögerliche Haltung deutscher Firmen sind laut einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung unter anderem sprachliche Barrieren, Unsicherheiten bezüglich der Qualifikation internationaler Bewerber sowie der bürokratische Aufwand. Ein weiteres Hindernis stellt der Mangel an internen Ressourcen dar, um Rekrutierungsprozesse im Ausland durchzuführen. Die neue Bundesregierung plant deshalb zentrale Digitalisierungsmaßnahmen und die Schaffung einer „Work-and-stay-Agentur“, um Verfahren zu vereinfachen und Unternehmen stärker einzubinden.

