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EZB vor Sommerpause: Wie reagiert sie auf Ölpreisanstieg?

Der EZB-Rat trifft sich letztmalig vor der Sommerpause – Ökonomen erwarten eine Zinspause trotz steigender Ölpreise und Inflationsrisiken.

EZB vor Sommerpause: Wie reagiert sie auf Ölpreisanstieg?

Die Europäische Zentralbank (EZB) tritt diese Woche zu ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Währungshüter auf den jüngsten Anstieg der Ölpreise reagieren werden. Sechs Wochen zuvor hatte die EZB als erste Zentralbank der G7-Staaten die Zinsen als Reaktion auf einen durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisschock angehoben.

Ökonomen und Anleger rechnen mehrheitlich damit, dass die EZB eine weitere Zinserhöhung vorerst auf Eis legt. Hintergrund ist der stärkere als erwartete Rückgang der Inflation im Juni auf 2,8 Prozent. Die Swap-Märkte, die eine zweite Zinsanhebung bis Oktober bereits vollständig eingepreist haben, sehen die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts im Juli bei weniger als 15 Prozent.

Pause im Juli, Anhebung im September?

Analysten von BNP Paribas sehen in den erneuten Spannungen im Nahen Osten ein klares Signal, dass der Zinserhöhungszyklus der EZB noch nicht beendet ist. „Die erneuten Spannungen im Nahen Osten bestärken uns in unserer Überzeugung, dass der Zinserhöhungszyklus der EZB noch nicht beendet ist", schrieben die Ökonomen in einer Mitteilung an Kunden. Sie betonen jedoch, dass eine Pause im Juli, gefolgt von einer Anhebung im September, das wahrscheinlichste Szenario sei.

Die EZB werde demnach zunächst aktualisierte Wirtschaftsprognosen, zwei weitere Inflationsdaten sowie mögliche Klarheit über den Verlauf des US-Iran-Konflikts abwarten. DZ-Bank-Ökonom Christian Reicherter erwartet ebenfalls eine Pause und prognostiziert, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz einen „moderat falkenhaften Ton" anschlagen werde. „Angesichts der bestehenden Aufwärtsrisiken für die Inflation werden die Notenbanker die Option einer weiteren Zinserhöhung offen halten", so Reicherter.

Ölpreise als entscheidender Faktor

Ein zentrales Risiko bleibt der Ölpreis. Nachdem ein Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran zunächst für Entspannung gesorgt hatte, bröckelt dieser nun wieder – und die Ölpreise sind auf 85 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Die entscheidende Frage lautet, ob die Energiepreise stark genug anziehen können, um die Entscheidungsträger in eine restriktivere Haltung zu drängen.

Auch die Bank of England (BoE) steht vor ähnlichen Herausforderungen. Händler räumen einem Zinsschritt auf der Juli-Sitzung der BoE derzeit nur geringe Chancen ein, preisen aber bis November eine Anhebung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt von derzeit 3,75 Prozent ein. Morgan-Stanley-Analysten kommentieren: „Es ist schwer vorstellbar, dass es auf der Juli-Sitzung zu einer bedeutenden falkenhaften Wende kommt, es sei denn, die Ölpreise steigen bis zur Sitzung nachhaltig auf fast 100 Dollar pro Barrel."

Blick auf die USA: Fed und Einkaufsmanagerindizes

Auch in den USA richten sich die Blicke der Anleger auf wichtige Konjunkturdaten. Am Freitag werden die US-Einkaufsmanagerindizes von S&P Global veröffentlicht. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen wird für das verarbeitende Gewerbe ein Wert von 54 und für den Dienstleistungssektor ein Wert von 51,5 erwartet – beide Werte lägen damit über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und leicht über den Vormonatswerten.

Die Industrietätigkeit in den USA wurde zuletzt durch steigende Auftragseingänge und Produktionszuwächse gestützt, was teilweise auf den Ausbau der KI-Infrastruktur zurückzuführen ist. Jason Pride, Leiter der Anlagestrategie und Forschung bei Glenmede, zeigt sich optimistisch: „Das Wachstum ist auf fundamentaler Basis stark. Das wird sich auch weiterhin in den Einkaufsmanagerindizes widerspiegeln."

Unternehmen profitieren zudem von Steuerrückerstattungen im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act" der Trump-Regierung, was das BIP-Wachstum in diesem Jahr ankurbeln dürfte. Anhaltende Wirtschaftsstärke würde die Argumente für weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve im weiteren Jahresverlauf stärken. Die Futures-Märkte preisen derzeit eine Zinserhöhung der Fed um einen Viertelprozentpunkt bis Ende 2026 ein – nachdem Händler ihre Wetten auf höhere Kreditkosten nach unerwartet niedrigen Inflationszahlen zuletzt bereits reduziert hatten.

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