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EZB-Schnabel: Weitere Zinserhöhungen trotz Iran-Waffenstillstand nötig

EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel bekräftigt weiteren Straffungsbedarf – Zeitpunkt und Ausmaß bleiben offen.

EZB-Schnabel: Weitere Zinserhöhungen trotz Iran-Waffenstillstand nötig

Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen weiter anheben müssen, um die Inflation in der Eurozone zu bekämpfen. Das betonte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit". Auch ein Waffenstillstand im Nahen Osten sei für die Währungshüter kein Grund zur Entwarnung, da die Energiepreise hoch bleiben.

„Aus heutiger Sicht werden wir die Zinsen weiter anheben müssen, um die Inflation mittelfristig wieder auf unser Ziel von 2% zurückzuführen", sagte Schnabel. Sie ließ jedoch offen, wann und wie weit die Zinsen steigen müssten. „Das Ausmaß und der Zeitpunkt weiterer Maßnahmen werden jedoch davon abhängen, wie sich der Konflikt, die Wirtschaft und die Inflation entwickeln."

Die EZB war in diesem Monat die erste große Zentralbank, die die Kreditkosten in der Hoffnung erhöhte, den kriegsbedingten Anstieg der Energiepreise einzudämmen. Ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran hatte die Ölpreise zuletzt gedrückt – dennoch rechnen Händler mit mindestens einem weiteren Zinsschritt bis zum Jahresende.

Märkte und Analysten uneins über weiteres Vorgehen

Händler sehen derzeit eine Chance von eins zu drei, dass die EZB die Zinsen bereits auf ihrer Sitzung am 22. und 23. Juli anhebt. Ein Schritt im September gilt als wahrscheinlicher, gefolgt von einer möglichen letzten Erhöhung im nächsten Jahr.

Analysten der Société Générale werteten Schnabels Aussagen als Korrektur eines „Fauxpas" von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Diese hatte am Montag erklärt, sie sehe zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit für eine „entschlossenere geldpolitische Reaktion" – eine Aussage, die an den Märkten für Verwirrung gesorgt hatte.

Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management, zeigte sich skeptisch gegenüber den Markterwartungen: „Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die Märkte das voraussichtliche Ausmaß der Straffung durch die EZB überschätzen." Seine Prognose sieht eine letzte Zinserhöhung im September vor, wobei der jüngste Rückgang der Ölpreise eine Anhebung im Juli unwahrscheinlich mache.

EZB-Chefvolkswirt Lane mahnt zur Besonnenheit

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ergänzte am Dienstag, dass die Inflation in der Eurozone noch einige Zeit über dem Zielwert von 2% bleiben könnte – selbst wenn der Frieden im Nahen Osten Bestand hält. Dieser Schock erfordere jedoch weiterhin nur eine maßvolle geldpolitische Reaktion, so Lane.

Die unterschiedlichen Signale aus dem EZB-Direktorium verdeutlichen, wie komplex die aktuelle geldpolitische Lage ist. Einerseits bleibt der Inflationsdruck durch hohe Energiepreise bestehen, andererseits mahnen geopolitische Unsicherheiten und die konjunkturelle Entwicklung zur Vorsicht. Für Anleger und Märkte bleibt die Frage, wie schnell und wie stark die EZB handeln wird, vorerst unbeantwortet.

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