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EZB-Ratsmitglied Wunsch hält Zinserhöhung im Juli weiterhin offen

Trotz sinkender Ölpreise nach dem Iran-Abkommen warnt EZB-Falke Wunsch vor hartnäckiger Dienstleistungsinflation in der Eurozone.

EZB-Ratsmitglied Wunsch hält Zinserhöhung im Juli weiterhin offen

Die Europäische Zentralbank könnte die Zinsen bereits im Juli erneut anheben. Das signalisierte EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch in einem Interview mit Reuters – und zwar ungeachtet der jüngsten Entspannung bei den Ölpreisen infolge eines vorläufigen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran. Entscheidend sei, ob sich die Inflation über den Energiesektor hinaus ausbreite.

Die EZB hatte in der vergangenen Woche erstmals seit drei Jahren die Kreditkosten erhöht – einstimmig vom EZB-Rat beschlossen. Seitdem hat das vorläufige US-Iran-Abkommen einen deutlichen Rückgang der Ölpreise ausgelöst, was die Sorgen über einen anhaltenden energiegetriebenen Inflationsschock zunächst milderte. Der EZB-Einlagensatz liegt aktuell bei 2,25 Prozent.

Dienstleistungsinflation im Fokus

Wunsch, der die belgische Zentralbank leitet und als geldpolitischer Falke gilt, machte eine weitere Zinserhöhung von der Entwicklung der Kerninflation abhängig. Besonders die Dienstleistungsinflation bereitet ihm Sorgen: Sie stieg im Mai auf 3,5 Prozent, nach 3,0 Prozent im Vormonat. „Wir hatten einen nicht so erfreulichen Wert bei der Dienstleistungsinflation", sagte Wunsch gegenüber Reuters.

Der belgische Notenbankchef skizzierte dabei ein klares Szenario: „Wenn wir mehr davon sehen, möchte man vielleicht um weitere 25 Basispunkte erhöhen, um auf der sicheren Seite zu sein, und kann die Zinsen dann senken, wenn man sieht, dass die Dynamik in die andere Richtung geht." Damit deutete er an, dass eine Zinserhöhung auch dann sinnvoll sein könnte, wenn sie später wieder zurückgenommen werden müsste.

Neben der Dienstleistungsinflation betonte Wunsch die Notwendigkeit, auch die Lohnentwicklung genau zu beobachten. Beide Faktoren gelten als wichtige Indikatoren dafür, ob sich die Inflation in der Eurozone strukturell verfestigt hat oder ob es sich lediglich um einen vorübergehenden, energiegetriebenen Schock handelt.

Juli oder September – Daten entscheiden

Laut Insidern, die Reuters nach der Zinserhöhung der vergangenen Woche informierten, halten die EZB-Entscheidungsträger eine Anhebung im September für wahrscheinlicher als eine im Juli – sofern die Ölpreise nicht wieder ansteigen. Die Finanzmärkte preisen derzeit eine erneute Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte im September oder Oktober ein, möglicherweise gefolgt von einer weiteren in den ersten Monaten des nächsten Jahres.

Wunsch selbst zeigte sich offen für ein Abwarten bis September – allerdings nur unter einer Bedingung: „Wenn sich die Daten nicht in die richtige Richtung entwickeln, würde ich für eine zweite Zinserhöhung plädieren und nicht für ein Abwarten", sagte er. „Aber wenn das, was wir sehen, zweideutig ist, sehe ich keine Notwendigkeit zur Eile."

Auch EZB-Chefökonom Philip Lane hatte sich Anfang der Woche gegenüber Reuters geäußert und betont, dass die Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation auch nach dem Iran-Abkommen weiterhin „proaktiv" bleiben werde. Dies unterstreicht die grundsätzliche Bereitschaft des EZB-Rats, bei Bedarf weitere geldpolitische Schritte einzuleiten.

Iran-Abkommen: Chance und Risiko zugleich

Wunsch räumte ein, dass ein bestätigtes Iran-Abkommen die Inflation senken und das Wachstum in der Eurozone stützen könnte – im nächsten Jahr potenziell sogar zu einer Ölschwemme führen könnte. Gleichzeitig gestand er ein, dass man angesichts des Abkommens und des sich bereits abschwächenden Lohnwachstums argumentieren könnte, die EZB hätte die Erhöhung der vergangenen Woche auslassen und die Entwicklung zunächst abwarten können.

Für deutsche Anleger und Sparer bleibt die Botschaft klar: Die EZB ist noch nicht am Ende ihres Zinserhöhungszyklus. Ob im Juli oder September – weitere Schritte sind möglich, wenn die Inflationsdaten keine klare Entspannung zeigen. Die nächsten Wochen mit ihren Konjunktur- und Inflationsdaten aus der Eurozone dürften daher richtungsweisend sein.

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