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EZB-Ratsmitglied Stournaras hält Juli-Zinserhöhung für unwahrscheinlich

Überraschend starker Inflationsrückgang in der Eurozone auf 2,8 Prozent gibt der EZB Spielraum für eine Zinspause.

EZB-Ratsmitglied Stournaras hält Juli-Zinserhöhung für unwahrscheinlich

EZB-Ratsmitglied Yannis Stournaras hat sich klar gegen eine weitere Zinserhöhung im Juli ausgesprochen. Der griechische Zentralbankchef begründete seine Haltung mit dem stärker als erwarteten Rückgang der Energiepreise und einer deutlichen Verlangsamung der Inflation in der Eurozone. Die aktuellen Daten zeigen, dass das Wachstum der Verbraucherpreise auf 2,8 Prozent gesunken ist.

Stournaras bezeichnete diese Entwicklung während einer Rede beim jährlichen EZB-Forum im portugiesischen Sintra als eine „große Überraschung nach unten". In einem Interview am Rande des Forums äußerte er sich deutlich: „Ich glaube nicht, dass im Juli etwas passieren wird, es sei denn, die Situation ändert sich dramatisch." Er ergänzte: „So wie ich die Dinge derzeit sehe, ist es vielleicht gut, eine Zeit lang auf dem aktuellen Niveau zu bleiben."

Die EZB hatte die Kreditkosten zuletzt im Juni auf 2,25 Prozent angehoben. Nun beraten die Währungshüter, ob eine weitere geldpolitische Straffung notwendig ist – oder ob die jüngsten Entwicklungen an den Energiemärkten eine Pause rechtfertigen.

Friedensverhandlungen entlasten Energiemärkte

Ein wichtiger Faktor für den Inflationsrückgang sind die Entwicklungen im Nahen Osten. Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran haben die Energiemärkte wieder auf das Niveau von vor dem Krieg gebracht. Stournaras berichtete, dass Zentralbankchefs aus den Golfstaaten ihren Kollegen kürzlich mitgeteilt hätten, die Schäden an der Energieinfrastruktur „nicht so groß waren und der Iran mit einer beträchtlichen Menge Öl auf den Markt zurückkehren wird".

Diese Einschätzung weicht von früheren Prognosen ab, wonach die Preise für Öl und Erdgas selbst bei einem schnellen Ende des Nahostkonflikts noch lange Zeit für einen Rückgang benötigen würden. Die neue Lagebeurteilung verändert damit auch die Grundlage für die geldpolitischen Entscheidungen der EZB erheblich.

KI-Boom und asymmetrische Energiepreisweitergabe als Risikofaktoren

Trotz der positiven Signale mahnte Stournaras zur Wachsamkeit. Die Verantwortlichen müssten weiterhin beobachten, wie Unternehmen Energiekosten an die Verbraucher weitergeben und welche Auswirkungen der Investitionsboom im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) hat. Der Notenbanker warnte, dass hohe Ausgaben für KI die Preise für Elektronikimporte aus Regionen wie Korea und Taiwan beeinflussen könnten.

Besonders kritisch äußerte sich Stournaras zur asymmetrischen Weitergabe von Energiepreisänderungen in Europa. „In Europa werden steigende Ölpreise sehr oft sofort weitergegeben", sagte er. „Aber wenn es einen Rückgang gibt, erfolgt keine vergleichbare Senkung." Als Ursachen nannte er mangelnden Wettbewerb oder – in Ländern wie Griechenland – einen Nachfrageüberhang. Diese strukturellen Probleme könnten dazu führen, dass sinkende Energiepreise nicht vollständig bei den Verbrauchern ankommen und die Inflation hartnäckiger bleibt als die Rohstoffpreise vermuten lassen.

Für deutsche Anleger und Sparer bedeutet die mögliche Zinspause der EZB, dass die Ära steigender Zinsen vorerst pausieren könnte. Die endgültige Entscheidung über den geldpolitischen Kurs im Juli liegt beim EZB-Rat, der die weiteren Datenentwicklungen genau beobachten wird.

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