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EZB-Ratsmitglied Kazimir fordert mindestens eine weitere Zinserhöhung

Der slowakische Notenbankchef warnt vor unterschätzten Inflationsrisiken und plädiert für eine proaktive Geldpolitik im Euroraum.

EZB-Ratsmitglied Kazimir fordert mindestens eine weitere Zinserhöhung

Peter Kazimir, Mitglied des EZB-Rats und Chef der slowakischen Nationalbank, hat sich klar für weitere Zinserhöhungen ausgesprochen. In einem Blogbeitrag und einem Meinungsartikel bekräftigte er, dass mindestens eine zusätzliche Zinsanhebung notwendig sei, um die Inflationsrisiken im Euroraum wirksam zu bekämpfen. Kazimir gilt als eines der „hawkisheren" Mitglieder im EZB-Rat – also als Befürworter einer restriktiveren Geldpolitik.

Die EZB hatte auf ihrer Juli-Sitzung die Zinsen unverändert gelassen. Kazimir wertet diese Entscheidung jedoch nicht als strategischen Kurswechsel, sondern als bewusste Pause. Er betonte ausdrücklich, dass seine Einschätzung für mindestens eine weitere Erhöhung auch dann gültig bleibe, wenn sich der wirtschaftliche Ausblick verbessern sollte.

Warnung vor Zweitrundeneffekten

Zentrales Argument Kazimirs ist die Gefahr sogenannter „Zweitrundeneffekte" bei der Inflation. Damit sind Preisanstiege gemeint, die sich von einem Bereich auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen – etwa wenn steigende Energiepreise zu höheren Löhnen und in der Folge zu breit angelegten Preissteigerungen führen. „Unsere Aufgabe ist es, zu handeln, bevor dieser Punkt erreicht ist, nicht danach", wird Kazimir zitiert. Er plädiert damit klar für eine präventive statt reaktive Geldpolitik.

Solche Effekte entwickelten sich oft unbemerkt und seien, einmal eingetreten, außerordentlich schwer rückgängig zu machen. Kazimir sieht es daher als Pflicht der EZB, frühzeitig gegenzusteuern, um die Inflation nicht dauerhaft im Euroraum zu verankern.

Geopolitik als entscheidender Faktor

Ein wesentlicher Treiber der aktuellen Unsicherheit ist der Konflikt im Nahen Osten, der im Juli zu einem deutlichen Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt hat. Kazimir adressierte diese geopolitischen Spannungen direkt: Selbst eine leichte Entspannung in der Region würde aus seiner Sicht die Notwendigkeit weiterer Zinsschritte nicht aufheben. Im Gegenteil – eine Eskalation des Konflikts würde nach seiner Einschätzung aggressivere Zinserhöhungen erfordern, als der Markt derzeit einpreist.

Die Finanzmärkte kalkulieren aktuell mindestens zwei weitere Zinserhöhungen der EZB ein. Der erste Schritt wird vollständig für Oktober erwartet, ein zweiter für März. Diese Erwartungen sind jedoch stark von der Entwicklung der Energiepreise abhängig und entsprechend volatil. Die aktuellen Ölpreise bewegen sich laut Kazimir zwischen dem internen „Basisszenario" und dem „milderen Szenario" der EZB – die künftige Geldpolitik bleibt damit stark datenabhängig.

Hohe Hürde für einen Kurswechsel

Kazimir machte auch deutlich, unter welchen Bedingungen er seine hawkishe Haltung überdenken würde: Es bräuchte „sehr überzeugende" Wirtschaftsdaten oder erhebliche Veränderungen in der geopolitischen Lage, um ihn von einer Zinserhöhung im September abzubringen. Dabei betonte er die Bedeutung von Verlässlichkeit: Die EZB habe die Märkte im Juli nicht überrascht und solle diese Konsistenz auch im September wahren.

Sollten die Preisdrücke durch externe Faktoren stärker und anhaltender werden, müsse die EZB in den kommenden Quartalen deutlich stärker straffen, als der Markt derzeit erwartet. Kazimirs Aussagen spiegeln eine wachsende Ungeduld unter einem Teil der EZB-Ratsmitglieder wider, die Glaubwürdigkeit der Notenbank im Kampf gegen die Inflation zu festigen.

Die EZB steht damit an einem kritischen Punkt: Sie muss die Balance zwischen Wachstumsrisiken und Inflationskontrolle halten – in einem Umfeld, das von externen Energieschocks und geopolitischer Unsicherheit geprägt ist. Ob die September-Sitzung tatsächlich eine Zinserhöhung bringt, hängt maßgeblich von den bis dahin eingehenden Wirtschaftsdaten ab.

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