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EZB hält sich alle Optionen für Juli-Sitzung offen

Bundesbankpräsident Nagel signalisiert weitere Zinsschritte, falls Energiepreisschock durch Iran-Krieg die Inflation weiter antreibt.

EZB hält sich alle Optionen für Juli-Sitzung offen

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt in erhöhter Alarmbereitschaft. Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärte am Freitag, die Notenbank werde sich für ihre geldpolitische Sitzung im Juli alle Optionen offen halten. Sollte es nötig sein, sei die EZB bereit, erneut zu handeln – um eine weitere Ausbreitung des durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks zu verhindern.

Hintergrund ist die Zinsentscheidung vom Donnerstag: Die EZB hatte die Leitzinsen angehoben und damit als erste große Zentralbank weltweit ihre Geldpolitik infolge des Ölpreissprungs gestrafft. Auslöser war ein deutlicher Anstieg der Inflation über die Marke von 3 Prozent. Besonders besorgniserregend: Auch die Kerninflation – die Energiepreisschwankungen ausklammert – stieg deutlich über das EZB-Ziel von 2 Prozent.

„Der EZB-Rat wird im Juli zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung zusammenkommen", sagte Nagel in einer offiziellen Mitteilung. „Wir halten uns alle Optionen offen und sind bereit, erneut zu reagieren, falls wir dies tun müssen."

Inflation weitet sich über den Energiesektor hinaus aus

Nagel begründete die Zinserhöhung vom Donnerstag mit einer besorgniserregenden Dynamik: Die Inflation beschränke sich nicht mehr allein auf Energie, sondern beginne, die Preise anderer Waren und Dienstleistungen zu erfassen. Dies ist aus Sicht der Währungshüter ein kritisches Signal, da sogenannte Zweitrundeneffekte die Preisstabilität dauerhaft gefährden können.

„Der durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Angebotsschock erweist sich als stark und hartnäckig", sagte Nagel. „Deshalb können wir nicht einfach darüber hinwegsehen." Mit diesen Worten unterstrich er die Entschlossenheit des EZB-Rats, die Inflationserwartungen unter Kontrolle zu halten.

Aus dem Umfeld der EZB-Diskussionen verlautete gegenüber Reuters, dass eine weitere Zinserhöhung im Juli nicht das Basisszenario der Währungshüter darstelle. Ein solcher Schritt sei jedoch nicht ausgeschlossen – insbesondere dann, wenn die Energiepreise weiter steigen oder die EZB mit einer erneuten negativen Inflationsüberraschung konfrontiert werde.

Nagel als möglicher Lagarde-Nachfolger im Blick

Besondere Aufmerksamkeit erhalten Nagels Aussagen auch aus einem anderen Grund: Der Bundesbankpräsident gilt als potenzieller Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, deren Amtszeit im kommenden Jahr endet. Seine klare Positionierung in der Zinspolitik dürfte dabei von Beobachtern genau verfolgt werden.

„Der EZB-Rat hat Entschlossenheit gezeigt", betonte Nagel abschließend. „Das hilft zu verhindern, dass sich die Inflationserwartungen entankern." Das sogenannte „Entankern" von Inflationserwartungen – also die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmen dauerhaft mit hoher Inflation rechnen und ihr Verhalten entsprechend anpassen – gilt als eines der größten Risiken für die Preisstabilität im Euroraum.

Für deutsche Anleger und Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung: Die Phase erhöhter Zinsen dürfte noch nicht beendet sein. Die EZB sendet ein klares Signal, dass sie die Preisstabilität konsequent verteidigen will – auch wenn dies weitere geldpolitische Straffungen erfordert.

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