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EZB erhöht Zinsen wegen Iran-Krieg und steigender Inflation

Die Europäische Zentralbank hebt die Zinsen an, um den durch den Iran-Krieg ausgelösten Inflationsdruck in der Eurozone zu bekämpfen.

EZB erhöht Zinsen wegen Iran-Krieg und steigender Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag, dem 11. Juni, wie weithin erwartet die Leitzinsen angehoben. Der Schritt war seit Langem angekündigt worden und soll verhindern, dass der durch den Iran-Krieg verursachte Anstieg der Energiepreise zu einer dauerhaft höheren Inflation führt. Mit der Erhöhung steigt der maßgebliche Einlagensatz auf 2,25 Prozent, während der Refinanzierungssatz auf 2,4 Prozent klettert.

Die steigenden Kosten für Öl und Gas haben die Inflation in der 21 Länder umfassenden Eurozone im vergangenen Monat auf über 3 Prozent getrieben – weit über das EZB-Ziel von 2 Prozent. Da der Konflikt länger andauert als von den meisten Experten prognostiziert, gelten weitere Preisanstiege als nahezu sicher. Die EZB hatte die Zinserhöhung daher bereits frühzeitig signalisiert und gegenüber Unternehmen und privaten Haushalten klargestellt, dass sie einen Anstieg der längerfristigen Preiserwartungen nicht tolerieren werde.

Inflationsprognosen deutlich nach oben korrigiert

In ihrer offiziellen Erklärung begründete die EZB den Schritt unmissverständlich: „Der Krieg im Nahen Osten erzeugt Inflationsdruck, und die Entscheidung zur Zinserhöhung ist über eine Reihe von Szenarien hinweg robust, die aufzeigen, wie sich der Schock entwickeln und die mittelfristigen Aussichten für den Euroraum beeinflussen könnte." Gleichzeitig hob die Notenbank ihre Inflationsprognose für 2026 von zuvor erwarteten 2,6 Prozent auf nun 3,0 Prozent an. Für 2027 wurde der Ausblick von 2,0 auf 2,3 Prozent nach oben korrigiert.

Finanzinvestoren rechnen angesichts der sich verschlechternden Preisaussichten mit zwei weiteren Zinserhöhungen im Laufe des nächsten Jahres. Allerdings dürfte die Straffung der Geldpolitik vorsichtig und behutsam erfolgen, da die Wirtschaft der Eurozone bereits ins Stocken gerät. Deutlich höhere Kreditkosten würden das Risiko einer Rezession erhöhen – ein Szenario, das die EZB unbedingt vermeiden will.

Schmaler Grat zwischen Preisstabilität und Wachstum

Die Notenbank senkte am Donnerstag auch ihre Wirtschaftswachstumsprognose für 2026 von 0,9 Prozent auf 0,8 Prozent. Für das darauffolgende Jahr erwartet die EZB lediglich ein Wachstum von 1,2 Prozent. Dies verdeutlicht das Dilemma, vor dem die Währungshüter stehen: Sie müssen die Preiserwartungen dämpfen, ohne das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum abzuwürgen.

Die EZB selbst räumte die Unsicherheit offen ein: „Der Ausblick bleibt ungewiss, mit Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum." Dieser Balanceakt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumssicherung dürfte die geldpolitischen Entscheidungen der kommenden Monate maßgeblich prägen.

Im Anschluss an die Zinsentscheidung richtete sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf die Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und dem neu eingeführten Vizepräsidenten Boris Vujcic um 12:45 Uhr GMT. Anleger und Ökonomen erhofften sich dort weitere Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs der Notenbank und den Umgang mit den anhaltenden Risiken aus dem Nahen Osten.

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