EZB erhöht Zinsen: UBS erwartet nur noch eine weitere Straffung
Die Schweizer Großbank UBS rechnet mit maximal einer weiteren EZB-Zinserhöhung – trotz aggressiverer Markterwartungen und steigender Inflation.

Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins erneut angehoben – doch wie weit geht die Straffung noch? Die Schweizer Großbank UBS erwartet lediglich eine weitere Zinserhöhung, bevor die EZB ihren Straffungszyklus unterbricht. Damit widerspricht die Bank den Wetten der Finanzmärkte, die einen deutlich aggressiveren Zinspfad einpreisen.
Die UBS begründet ihre zurückhaltende Einschätzung mit dem sich abschwächenden Wachstumsumfeld in der Eurozone. Zwar spiegele die jüngste Zinserhöhung – die erste seit 2023 – die Entschlossenheit der Währungshüter wider, die Inflation zu bekämpfen. Doch der wirtschaftliche Gegenwind werde den Spielraum für weitere Straffungen letztlich begrenzen. „Wir erwarten eine weitere Zinserhöhung vor einer Pause", so die Ökonomen der UBS in einer Mitteilung nach der jüngsten EZB-Entscheidung.
Konkret hält die UBS eine nächste Erhöhung bereits im Juli für möglich, bezeichnet dies jedoch als „knappe Entscheidung". „Sollte es nicht der Juli sein, erwarten wir eine zweite Zinserhöhung bis spätestens September", schreiben die UBS-Ökonomen. Die Märkte hingegen preisen nach Einschätzung der Bank einen übermäßig restriktiven Zinspfad ein.
EZB-Prognosen zeigen höhere Inflation und schwächeres Wachstum
Die aktualisierten Stabsprojektionen der EZB zeichnen ein schwieriges Bild für die Eurozone. Die Notenbank erwartet nun für 2026 eine Gesamtinflation von durchschnittlich 3,0 Prozent – nach einer früheren Prognose von 2,6 Prozent. Die Kerninflation, die volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausschließt, wird auf 2,5 Prozent prognostiziert, gegenüber zuvor 2,3 Prozent.
Treiber dieser Aufwärtsrevision sind vor allem höhere Öl- und Gaspreise sowie ein gesunkenes Vertrauen bei Haushalten und Unternehmen. Gleichzeitig verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum. Die UBS wertet diese Kombination als Stagflationsrisiko: „In Anbetracht des schwächeren Wachstumsumfelds halten wir dies weiterhin für zu restriktiv", kommentieren die Ökonomen die EZB-Projektionen.
Zusätzlich heben die neuen EZB-Prognosen die wachsende Unsicherheit durch den Nahostkonflikt hervor. Die Währungshüter skizzierten dabei sowohl ungünstige als auch schwerwiegende Szenarien mit anhaltenden Störungen auf den Energiemärkten. Neu eingeführt wurde zudem ein milderes Szenario, das auf einer schnelleren Beilegung der regionalen Spannungen basiert.
Auswirkungen auf Anleihen und Aktienmarkt
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Zur AktienanalyseFür Anleger leitet die UBS aus dem Umfeld konkrete Schlussfolgerungen ab. Erhöhte Anleiherenditen, widerstandsfähige Unternehmensbilanzen und unterstützende Markttechniken sprächen weiterhin für hochwertige, auf Euro lautende festverzinsliche Wertpapiere. Euro-Anleihen guter Bonität bleiben damit laut UBS attraktiv.
Für den Aktienmarkt erwartet die Bank hingegen nur begrenzte Auswirkungen der EZB-Straffung. Die Anleger hätten den Zinsschritt im Juni weitgehend antizipiert, und die strukturellen Treiber für das Gewinnwachstum blieben intakt. Eine dramatische Neubewertung der Aktienmärkte infolge der Zinsentscheidung hält die UBS demnach für unwahrscheinlich.
Die Risiken bleiben laut UBS jedoch klar nach oben geneigt – zumindest was die Inflation betrifft. Sollten die Rohstoffpreise weiter steigen oder sich Lieferunterbrechungen intensivieren, drohen sowohl höhere Inflation als auch schwächeres Wachstum. Für Anleger in der Eurozone bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll und von erheblicher Unsicherheit geprägt.


