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EZB erhöht Leitzinsen zur Bekämpfung des Inflationsdrucks

Die Europäische Zentralbank hebt die Zinsen an, um steigende Energiekosten und Inflation über dem 2%-Ziel einzudämmen.

EZB erhöht Leitzinsen zur Bekämpfung des Inflationsdrucks

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Leitzinsen angehoben. Ziel der Maßnahme ist es, den wachsenden Inflationsdruck einzudämmen, bevor sich der durch den Iran-Krieg ausgelöste Anstieg der Energiekosten weiter in der Wirtschaft der Eurozone ausbreitet. Die Entscheidung war von den Märkten weitgehend erwartet worden.

Die Inflation im 21 Länder umfassenden Währungsraum liegt bereits über 3% – und damit deutlich über dem Zielwert der EZB von 2%. Gleichzeitig ist das Wirtschaftswachstum sehr schwach, was Ökonomen über die Notwendigkeit einer strafferen Geldpolitik spaltet. Die Kombination aus hoher Inflation und schwachem Wachstum stellt die Währungshüter vor eine klassische geldpolitische Zwickmühle.

Marktreaktionen nach der Entscheidung

Der Euro notierte nach der Entscheidung mit 1,1536 US-Dollar etwas schwächer, veränderte sich gegenüber dem Stand vor der Bekanntgabe jedoch kaum. Die Renditen zweijähriger deutscher Bundesanleihen – ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitikerwartungen – fielen um einen halben Punkt auf 2,7%, lagen damit aber noch über dem frühen Tagesniveau von rund 2,678%.

Der europäische Leitindex STOXX 600 gab einen Teil seiner Tagesgewinne wieder ab und verzeichnete ein Plus von 0,4%, nachdem er vor der Entscheidung der Zentralbank noch um fast 1% höher gehandelt worden war. Die Reaktionen an den Rentenmärkten fielen moderat aus: Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen der Eurozone legten leicht zu, während die Kurse entsprechend moderat nachgaben.

Experten blicken auf September-Sitzung

Richard Carter, Leiter Rentenstrategie bei Quilter Cheviot in London, sieht die Märkte bereits auf die nächste Sitzung ausgerichtet: „Die Märkte preisen bereits eine weitere Zinserhöhung auf der EZB-Sitzung im September ein. Ob diese jedoch tatsächlich erfolgt, wird stark von den Entwicklungen im Nahen Osten abhängen und davon, ob und wann eine tragfähige Lösung erzielt werden kann."

Carter ergänzt: „Sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen, ist damit zu rechnen, dass die hohen Energiekosten anhalten und der allgemeine Inflationsdruck zunimmt, was die Währungshüter zu erneutem Handeln zwingen könnte. Das Augenmerk wird sich nun darauf richten, ob andere große Zentralbanken dem Beispiel der EZB folgen werden, was derzeit jedoch unwahrscheinlich erscheint."

Kerninflation hartnäckiger als erwartet

Andrzej Szczepaniak, Senior European Economist bei Nomura in London, hebt die Persistenz der Kerninflation hervor: „Ich denke, der entscheidende Punkt ist, dass die EZB die Inflation für 2028 weiterhin am Zielwert sieht und dafür 2% prognostiziert." Zur Kerninflation erklärt er: „Sie erweist sich in der Tendenz als etwas hartnäckiger und beständiger, als wir ursprünglich kalkuliert hatten."

Szczepaniak hatte mit Kerninflationswerten von 2,5%, 2,4% und 2,1% gerechnet. Die EZB prognostiziert stattdessen 2,5%, 2,5% und 2,2% – ein Hinweis auf eine stärkere Persistenz des zugrunde liegenden Inflationsdrucks infolge des Iran-Krieges.

Kirstine Kundby-Nielsen, Analystin für Devisen- und Rentenmärkte bei der Danske Bank in Kopenhagen, bewertet die neuen EZB-Projektionen als restriktiver als erwartet: „Die neuen Projektionen der Experten wurden im Vergleich zu unseren Erwartungen in eine restriktivere Richtung korrigiert. Die Inflation wurde etwas höher angesetzt als von uns erwartet, und das Wachstum wurde nicht so stark nach unten korrigiert." Sie fügt jedoch hinzu: „Trotz der restriktiven Expertenprognosen werden die Märkte jedoch stärker von Trump getrieben."

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