EZB-Direktorin Zweifelt an Zinserhöhungen
Inflationsentwicklung, Geldpolitik und Bilanzprognose – Ein Blick auf Isabel Schnabels Einschätzung

Die Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), Isabel Schnabel, äußerte sich kürzlich zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und den zukünftigen geldpolitischen Maßnahmen der EZB. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters betonte Schnabel, dass die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf die Inflation es wahrscheinlich gemacht hätten, vorerst von weiteren Zinserhöhungen abzusehen. Diese Aussage markiert eine bemerkenswerte Abkehr von ihrer vorherigen Empfehlung, mögliche Zinserhöhungen nicht auszuschließen.
Vor nur einem Monat hatte Isabel Schnabel darauf hingewiesen, dass es in der letzten Phase des Kampfes gegen die Inflation noch Unsicherheiten und Herausforderungen gebe, die eine vorsichtige geldpolitische Haltung erforderten. Die restriktive Geldpolitik der EZB, die in den letzten Quartalen konsequent verfolgt wurde, zeigt laut Schnabel nun Wirkung, indem sie das Nachfragewachstum dämpft. Dies sei notwendig, um die Inflation wieder auf das Ziel der EZB von zwei Prozent zu steuern. Allerdings prognostiziert Schnabel, dass das Wirtschaftswachstum im aktuellen Quartal schwach bleiben wird, bevor es im nächsten Jahr allmählich anziehen soll. Die EZB geht jedoch nicht von einer tiefen und langanhaltenden Rezession aus.
Im November 2023 verzeichnete der Euro-Raum einen Rückgang der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, was den niedrigsten Wert seit Juli 2021 darstellt. Im Oktober lag die Inflationsrate noch bei 2,9 Prozent. Dieser deutliche Rückgang hatte Spekulationen genährt, dass die EZB möglicherweise schneller als erwartet ihr Inflationsziel erreichen könnte. Doch Isabel Schnabel warnt davor, zu früh konkrete Prognosen abzugeben, da die Märkte in der Vergangenheit oft überrascht wurden.
Es gibt auch Uneinigkeit über die zukünftige Zinspolitik der EZB. Während EZB-Präsidentin Christine Lagarde und der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau eine vorläufige Beibehaltung der Zinsen in den kommenden Quartalen in Aussicht gestellt haben, erwarten die Finanzmärkte bereits eine erste Zinssenkung im April 2024. Die Märkte sind zuversichtlich, dass die Inflation in naher Zukunft sinken wird, und berücksichtigen daher frühe und bedeutende Zinssenkungen im nächsten Jahr. Schnabel betont jedoch die Vorsicht der Zentralbanken und die Notwendigkeit, sorgfältig abzuwägen.
Die aktuellen Entwicklungen in der Inflation ermutigen Schnabel, glauben zu können, dass die EZB bis spätestens 2025 wieder das Inflationsziel von zwei Prozent erreichen kann. Allerdings warnt sie davor, den Sieg über die Inflation vorzeitig zu verkünden, da in den kommenden Monaten weiterhin ein leichter Anstieg der Teuerung erwartet wird.
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Zur AktienanalyseZusätzlich zu diesen Faktoren werden auch einige Regierungsprogramme in den nächsten Monaten auslaufen, was sich auf die Inflation auswirken könnte. Trotz des Rückgangs der Inflationsrate bleiben die kurzfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher in der Euro-Zone stabil.
Isabel Schnabel äußerte sich auch zur künftigen Größe der EZB-Bilanz. Sie erklärte, dass die Bilanz im Rahmen eines neuen Steuerungssystems für die Zinsen voraussichtlich deutlich schrumpfen werde. Obwohl die Bilanz nach wie vor größer sein wird als vor der Finanzkrise von 2007, wird erwartet, dass sie im Vergleich zur aktuellen Größe erheblich kleiner sein wird. Die EZB hatte in den letzten Jahren massive Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft durchgeführt, die zu einer deutlichen Ausweitung ihrer Bilanz geführt hatten.


