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EZB-Chefvolkswirt Lane: Inflation erreicht 2% in etwa einem Jahr

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane stuft den aktuellen Inflationsschock als moderat ein und schließt aggressive Zinsschritte aus.

EZB-Chefvolkswirt Lane: Inflation erreicht 2% in etwa einem Jahr

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht den aktuellen Inflationsschock weiterhin als beherrschbar an. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erklärte am Freitag bei einer Podiumsdiskussion im irischen Donegal, dass das Preiswachstum im Laufe des nächsten Jahres wieder auf das Ziel von 2% zurückgeführt werde. Derzeit liegt die Inflation in der Eurozone bei 3%.

„Wir sagen damit, dass wir sicherstellen werden, die Inflation von ihrem derzeitigen Stand – 3% – im Laufe des nächsten Jahres oder so wieder auf 2% zurückzuführen", sagte Lane. Die EZB hatte die Zinssätze am Donnerstag unverändert gelassen, signalisierte jedoch deutlich, dass weitere geldpolitische Straffungsmaßnahmen folgen werden. Ökonomen und Händler rechnen überwiegend mit einer Zinserhöhung im September.

Kein Alarmsignal, aber anhaltende Wachsamkeit

Lane betonte, dass die aktuelle Lage keine Notfallreaktion wie im Jahr 2022 erfordere. „Es handelt sich derzeit nicht um eine Alarmstufe Rot, bei der man so schnell handeln müsste wie im Jahr 2022. Es ist ein Schock mittleren Ausmaßes, und wir prüfen bei jeder Sitzung genau, welches Zinsniveau angemessen ist, um sicherzustellen, dass er moderat bleibt, sich nicht verfestigt und nicht in den roten Bereich gerät", so der EZB-Chefvolkswirt. Diese Aussage unterstreicht den besonnenen Kurs, den die Notenbank trotz anhaltenden Preisdrucks verfolgt.

Ein zentrales Risiko, das die EZB genau im Blick behält, sind sogenannte Zweitrundeneffekte. Dabei handelt es sich um die Gefahr, dass steigende Energiekosten die Preise und Löhne dauerhaft nach oben treiben und die Inflation so strukturell verfestigen. Lane erklärte, die EZB habe solche Effekte bisher nicht beobachtet, warnte jedoch: Je länger die Energiepreise auf hohem Niveau verbleiben, desto wahrscheinlicher werden Zweitrundeneffekte. Die Notenbank werde die Entwicklung daher weiterhin aufmerksam verfolgen.

Märkte erwarten weitere Zinserhöhungen

Die Finanzmärkte gehen bereits über den September hinaus. Laut aktuellen Marktpreisen sind mindestens zwei weitere Zinserhöhungen der EZB vollständig eingepreist – konkret für Oktober und März. Damit rechnen Investoren damit, dass der Straffungszyklus der EZB noch nicht abgeschlossen ist, auch wenn Lane keine konkreten Angaben zu möglichen Maßnahmen im September machte.

Für deutsche Privatanleger und Sparer ist die Entwicklung der EZB-Zinspolitik von unmittelbarer Bedeutung. Höhere Leitzinsen wirken sich auf Hypothekenzinsen, Tagesgeldkonten und Anleiherenditen aus. Die Aussicht auf eine schrittweise, aber anhaltende Straffung der Geldpolitik dürfte das Zinsumfeld in der Eurozone noch für einige Monate prägen. Lane machte deutlich, dass die EZB dabei auf Sitzungsbasis entscheiden und die eingehenden Daten sorgfältig auswerten werde.

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