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ExxonMobil: Aktionäre stimmen für Sitzverlegung nach Texas

Mit 71 Prozent der Stimmen billigen Investoren den Umzug des Ölkonzerns – trotz Widerstand großer Stimmrechtsberater.

ExxonMobil: Aktionäre stimmen für Sitzverlegung nach Texas

ExxonMobil hat auf seiner Hauptversammlung am Mittwoch einen wichtigen Sieg errungen: Die Aktionäre des mit 640 Milliarden US-Dollar bewerteten Ölkonzerns stimmten mit 71 Prozent der abgegebenen Stimmen für die Verlegung des Satzungssitzes nach Texas. Der Beschluss könnte als Präzedenzfall für andere Unternehmen dienen, die einen ähnlichen Schritt erwägen.

Bislang war ExxonMobil trotz seines seit fast 40 Jahren bestehenden Hauptsitzes in Texas weiterhin im Bundesstaat New Jersey eingetragen. Dieser Umstand geht auf die Gründungsgeschichte des Konzerns zurück: Exxon entstand als Teil von Standard Oil und war seit über einem Jahrhundert in New Jersey registriert – ein historisches Überbleibsel, das nun offiziell beseitigt wird.

Unternehmensfreundliche Gerichtsbarkeit als Hauptargument

ExxonMobil begründet den Schritt mit den wirtschaftsfreundlichen Gesetzen und der öffentlichen Politik des Bundesstaates Texas, die besser mit den Unternehmenswerten übereinstimmten. Zudem könnte die Verlegung das Unternehmen unter die Zuständigkeit von Gerichten stellen, die als unternehmensfreundlicher gelten. Konzernchef Darren Woods erklärte auf der Hauptversammlung: „Texas ist seit Jahrzehnten unsere unternehmerische Heimat. Der Vorstand ist davon überzeugt, dass diese Art von Vertrautheit zu vernünftigeren und produktiveren Entscheidungen der texanischen Behörden und Bürger führen wird, was für den langfristigen Erfolg des Unternehmens entscheidend ist."

Nicht alle Investoren teilten diese Einschätzung. Kritiker warfen dem Unternehmen vor, der Wechsel des Satzungssitzes könnte die Aktionärsrechte schwächen. Beide großen Stimmrechtsberater – einflussreiche Dienstleister, die institutionellen Investoren Abstimmungsempfehlungen geben – rieten dazu, den Vorschlag abzulehnen. Dennoch setzte sich die Mehrheit der Aktionäre über diese Empfehlungen hinweg.

Kritik: Einschränkung des Aktionärsaktivismus

Einige Kritiker sehen die Sitzverlegung im Zusammenhang mit einer breiteren Strategie von ExxonMobil, den Einfluss aktivistischer Aktionäre zu begrenzen. Dazu gehöre auch die Einführung eines neuen, managementfreundlichen Systems zur Stimmrechtsvertretung. Der Konzern versucht demnach, Dutzende von Initiativen kleinerer Aktionäre abzuwehren, die auf Änderungen in der Unternehmensführung und eine umweltbewusstere Ausrichtung des Unternehmens abzielen.

Ann Lipton, Juraprofessorin an der University of Colorado, kommentierte die Entwicklung kritisch: „Wir bewegen uns in eine Richtung, in der Vorstände nicht mehr glauben, dass sie" – so weit reicht das vorliegende Zitat. Die Aussage deutet auf wachsende akademische Bedenken hinsichtlich der Machtbalance zwischen Management und Aktionären hin.

Für deutsche Privatanleger ist das Ergebnis relevant, da ExxonMobil zu den größten börsennotierten Energiekonzernen der Welt zählt und in vielen internationalen Fonds und ETFs vertreten ist. Die Debatte um Aktionärsrechte und Unternehmensstandorte ist dabei kein rein amerikanisches Phänomen – auch in Europa diskutieren Unternehmen zunehmend über die Wahl günstiger Rechtsstandorte und deren Auswirkungen auf die Corporate Governance.

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