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Exportorientierte Industrialisierung: Entwicklungsländer verlieren Zugang zu reichen Märkten

Protektionismus in den USA und der EU erschwert Entwicklungsländern den bewährten Weg aus der Armut durch exportorientierte Industrialisierung.

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Exportorientierte Industrialisierung: Entwicklungsländer verlieren Zugang zu reichen Märkten

Der Weg zum wirtschaftlichen Wohlstand über Exporte wird für Entwicklungsländer zunehmend schwieriger. Als die USA Anfang dieses Jahres hohe vorläufige Zölle auf Solarzellen und -module aus Indien erhoben, schien dies zunächst eine weitere Front in Donald Trumps „America First"-Handelspolitik zu sein. Ein ähnlicher Antrag wurde inzwischen auch gegen Äthiopien eingereicht. Diese Fälle offenbaren jedoch ein grundlegendes Muster: Der Zugang zu den reichsten Verbrauchermärkten der Welt wird für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen systematisch schwieriger.

Dies ist aus entwicklungspolitischer Sicht von erheblicher Bedeutung. Die exportorientierte Industrialisierung gilt als einer der verlässlichsten Wege aus der Armut. Abgesehen von ölreichen Golfmonarchien und einigen Insel-Stadtstaaten hingen die meisten erfolgreichen Entwicklungsprozesse vom Zugang zu externen Märkten ab – von der industriellen Revolution in Großbritannien über den Aufstieg Deutschlands und der USA bis hin zu Südkorea und in jüngerer Zeit China.

Die wirtschaftswissenschaftlichen Belege für diesen Zusammenhang sind sowohl empirisch als auch historisch. Ökonomen haben gezeigt, dass Exporte in wohlhabendere Märkte die Produktivität auf Unternehmensebene steigern, die Qualität verbessern und technologische Modernisierungen fördern. Unternehmen expandieren, Arbeiter erzielen höhere Löhne, Haushalte erwirtschaften höhere Einkommen und Volkswirtschaften erzielen insgesamt eine höhere Wertschöpfung.

Trumps Handelspolitik trifft Schwellenländer hart

Trumps umfassende Handelsagenda wird unvermindert fortgesetzt. Nachdem der Oberste Gerichtshof im Februar die weitreichende Nutzung von Notstandsbefugnissen für Zölle untersagte, griff Washington auf andere Rechtsgrundlagen zurück – darunter Section 301 des Trade Act von 1974. Zusätzlich hat die US-Handelsbeauftragte Untersuchungen eingeleitet, die auf „strukturelle Überkapazitäten" in 16 exportorientierten Volkswirtschaften abzielen.

Zu den betroffenen Ländern gehören nicht nur Hocheinkommens-Exporteure wie die EU, Japan und Südkorea, sondern auch Länder mit mittlerem Einkommen wie Bangladesch, Indonesien und Vietnam. Die Begründung geht dabei über klassische Verstöße gegen Handelsregeln hinaus: Es geht auch darum, ob diese Volkswirtschaften Handelsüberschüsse aufweisen, die die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie untergraben.

Diese Entwicklung markiert eine deutliche Abkehr vom globalen Konsens über den Freihandel. Dabei gehen Elemente dieses Ansatzes in den USA sogar auf die Zeit vor Trump zurück. Bereits Untersuchungen zu Stahl und Aluminium aus der Biden-Ära hätten zu höheren Zöllen geführt, und die Beschaffungsanforderungen des Inflation Reduction Act wurden von der Welthandelsorganisation als diskriminierend eingestuft.

EU-Klimapolitik als neue Marktzugangshürde

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks entstehen neue Barrieren. Das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) der EU verpflichtet Importeure von kohlenstoffintensiven Gütern, für deren CO2-Gehalt zu bezahlen. Für viele Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen fungiert dies jedoch auch als neue Bedingung für den Marktzugang. Länder wie Indien und Südafrika fechten das CBAM an und haben mögliche Schritte vor der WTO angedeutet.

China stellt ebenfalls keine einfache Alternative dar. Peking hat zwar 53 afrikanischen Ländern Zollfreiheit für Exporte gewährt und unterhält Handelsprogramme mit großen Schwellenländern wie Brasilien. Dennoch hat sich China nicht aus den Sektoren der einfachen Fertigung zurückgezogen, die ärmeren Ländern historisch den Einstieg in den Welthandel ermöglichten. Bei Bekleidung, Schuhen, Möbeln, Spielzeug und anderen arbeitsintensiven Gütern bleiben chinesische Produzenten ernstzunehmende Konkurrenten.

Regionale Integration und strategische Verhandlungen als Ausweg

Trotz der schwieriger werdenden Lage gibt es weiterhin Chancen. Regionale Märkte bieten eine Alternative: Die afrikanische Kontinental-Freihandelszone (AfCFTA), von 54 afrikanischen Staaten unterzeichnet, und die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) in Asien zeigen, wie regionale Integration größere Märkte über Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Einkommensniveaus hinweg schaffen kann. Auch jüngste Handelsabkommen zwischen Indien, Indonesien, dem Mercosur und der EU deuten auf eine zunehmende Diversifizierung hin.

Entwicklungsländer müssen zudem strategischer verhandeln. Wenn reiche Länder Zugang zu kritischen Mineralien, strategischen Häfen oder Verbrauchermärkten wollen, sollten ärmere Länder dieses Druckmittel nutzen, um mehr als nur Zollpräferenzen zu fordern – etwa Investitionen in Fertigungskapazitäten, Infrastruktur, Technologiepartnerschaften, Joint Ventures und technische Unterstützung.

Der Weg der exportorientierten Industrialisierung ist nicht vollständig versperrt, aber die alten Annahmen gelten nicht mehr. Ärmere Länder können sich nicht mehr auf einen regelbasierten Weltmarkt verlassen, in dem reiche Nationen ihre Industrieexporte aufnehmen und gleichzeitig große Handelsüberschüsse tolerieren. Wie es der Autor treffend formuliert: Die Exportleiter ist nicht verschwunden, aber ihre Sprossen werden schmaler und nach oben gezogen.

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