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Expertin arbeitete mit 5.000 Kindern: Diese Erziehungsregel verändert alles

Eine Spezialistin für kindliche Entwicklung erklärt, warum zu viele Fragen Kinder verwirren und Machtkämpfe provozieren.

Expertin arbeitete mit 5.000 Kindern: Diese Erziehungsregel verändert alles

Eltern stellen ihren Kindern heute mehr Fragen denn je – oft aus den besten Absichten heraus. Sie wollen respektvoll und partnerschaftlich agieren. Doch Siggie Cohen, Spezialistin für kindliche Entwicklung und Autorin des Buches „You Are the Parent", warnt nach der Arbeit mit mehr als 5.000 Familien vor einem weit verbreiteten Kommunikationsfehler.

Cohen beobachtet in ihrer Praxis immer wieder dieselben Muster: Eltern bitten bei alltäglichen Entscheidungen um Zustimmung, tarnen Frustration als Fragen oder verhandeln dort, wo eine klare Grenze effektiver wäre. Sätze wie „Was möchtest du zu Abend essen?" oder „Wie oft muss ich dir das noch sagen?" klingen zwar verständnisvoll, können aber das Gegenteil bewirken.

Das „Sagen-Sie-was-Sie-meinen-Prinzip"

Cohens wichtigste Erziehungsregel klingt überraschend einfach: Sagen Sie, was Sie meinen. Kindern fehle die Erfahrung und die emotionale Reife, um bei jeder Entscheidung mitzuwirken oder den weiteren Verlauf zu bestimmen. Sie benötigten klare, souveräne Führung – keine Verhöre.

Rhetorische „Warum"-Fragen verstärken laut Cohen oft nur Schamgefühle oder Abwehrreaktionen beim Kind. Ein direkter, ruhiger Kommunikationsstil hingegen lade zu Teamarbeit, Reflexion und Problemlösung ein. Der Unterschied liegt nicht im Inhalt, sondern in der Form der Botschaft.

Eine besonders häufige Falle sieht Cohen darin, einfache Anweisungen in Fragen zu verwandeln. Sätze wie „Kannst du dir bitte die Schuhe anziehen?" oder „Nach dieser Sendung ist Schlafenszeit, okay?" klingen zwar sanft und respektvoll. Wenn jedoch nicht verhandelbare Aufgaben als Fragen formuliert werden, können Kinder im Unklaren darüber bleiben, ob die Aufgabe tatsächlich optional ist.

Wann Fragen sinnvoll sind

Das öffnet die Tür für unnötige Machtkämpfe. Ein Kind, das alles als verhandelbar interpretiert, reagiert mit Widerstand – nicht aus bösem Willen, sondern weil die Botschaft unklar war. Ruhige, direkte Aussagen helfen Kindern laut Cohen oft dabei, sich ruhiger und kooperativer zu fühlen.

Das bedeutet nicht, dass Fragen grundsätzlich schlecht sind. Cohen betont ausdrücklich ihren Wert: Fragen sind unglaublich wertvoll, wenn sie Kindern helfen, zu reflektieren, Probleme zu lösen, sich auszudrücken sowie Selbstvertrauen und Selbstwahrnehmung aufzubauen. Es geht darum, bewusster zu entscheiden, wann Führung gefragt ist, wann Zusammenarbeit angemessen ist und wann das Kind schlichtweg Klarheit statt Verhandlung benötigt.

Siggie Cohen absolvierte die Pepperdine University mit einem Master-Abschluss in Pädagogik und Psychologie sowie die Northcentral University mit einem PhD in Philosophie. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Söhnen und führt eine Privatpraxis in der Bay Area. Ihre Kernbotschaft richtet sich an alle Eltern: Weniger Fragen, mehr Klarheit – und kleine Anpassungen in der Kommunikation können laut Cohen im Laufe der Zeit enorme Veränderungen im Familienleben bewirken.

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