EWE-Chef Dohler: Rückkehr zu fossilen Energien wäre teurer Irrweg
Der Energieversorger-Chef warnt eindringlich vor einer Kehrtwende bei der Energiewende und setzt auf Wasserstoff.

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers EWE, warnt eindringlich vor einer Rückkehr zu fossilen Energien. Der 53-Jährige, der seine Karriere als Seefahrer bei Hapag-Lloyd begann, sieht in den erneuerbaren Energien nicht nur eine Antwort auf den Klimaschutz, sondern vor allem einen Beitrag zur Unabhängigkeit Deutschlands.
"Eine Rückkehr zur alten fossilen Welt ist ein Irrglaube", betont Dohler. Die hohen Gaspreise hätten nichts mit der Energiewende zu tun. Aktuell liege der Gaspreis bei rund 40 Euro pro Megawattstunde – mehr als doppelt so hoch wie vor der Krise mit 15 bis 18 Euro. Diese Kosten belasten die deutsche Industrie erheblich.
Der EWE-Chef macht deutlich: Wer russisches Gas gegen fossile Energien aus anderen Ländern tausche, ersetze nur eine Abhängigkeit durch die nächste. Deutschland verfüge kaum über eigene fossile Ressourcen, dafür aber über reichlich Wind und Sonne. Die erneuerbaren Energien deckten bereits knapp 60 Prozent des Bruttostromverbrauchs.
Wasserstoff als Schlüssel zur Energiewende
Ein zentrales Element der Strategie ist Wasserstoff. In Emden baut EWE einen 320-Megawatt-Elektrolyseur, der über das IPCEI-Programm der EU gefördert wird. Die Standortwahl ist strategisch: 2023 wurden am Netzknoten Emden rund 450 Gigawattstunden Windstrom abgeregelt, weil die Netzkapazitäten fehlten.
Allerdings machen EU-Regeln zur "Zusätzlichkeit" und "stündlichen Gleichzeitigkeit" die Wasserstoffproduktion derzeit um 50 Prozent teurer als technisch notwendig. Diese Vorschriften zwingen Unternehmen, teuren Strom zu kaufen, statt vorhandene erneuerbare Energie oder abgeregelten Strom zu nutzen.
Dohler fordert Anpassungen dieser Regeln sowie eine Verlängerung der Strompreiskompensation. Dann wäre grüner Wasserstoff in Deutschland absolut wettbewerbsfähig. Er sieht Wasserstoff als perfekte Ergänzung zu erneuerbaren Energien – als Transportmedium, Rohstoff und Speicher.
Industrie braucht Brückenfinanzierung
Auf die Klagen der Industrie über hohe Transformationskosten reagiert der Manager pragmatisch. Milliarden-Investitionen in neue fossile Werke seien keine Lösung. In den USA werde Gas immer günstiger bleiben, allein wegen der Transport-, Verflüssigungs- und Regasifizierungskosten.
Der einzige Weg zur dauerhaften Wettbewerbsfähigkeit führe über Elektrifizierung und Technologiesprünge. Die Politik müsse allerdings eine Brücke mitfinanzieren – über Sondervermögen, Entlastung bei Netzentgelten und Strompreiskompensation. So ließen sich die Investitionskosten für Systeme mit 60 bis 70 Jahren Nutzungsdauer auf mehrere Generationen verteilen.
Nationale Gasreserve gefordert
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Zur AktienanalyseTrotz seines Bekenntnisses zu erneuerbaren Energien sieht Dohler Deutschland noch mindestens 20 Jahre lang auf Erdgas angewiesen. EWE hat einen Liefervertrag mit dem niederländischen Unternehmen One-Dyas abgeschlossen, das vor Borkum Erdgas fördern möchte. Dies hält er für klimafreundlicher als US-Importe.
Bei den Gasspeichern schlägt er eine nationale Reserve nach österreichischem Vorbild vor. Das aktuelle System mit starren Füllstandsvorgaben funktioniere nicht. Im Winter verbrauche Deutschland täglich 5 bis 6 Terawattstunden Gas, wovon 1,5 bis 3 Terawattstunden aus Speichern kommen. Alle LNG-Importterminals zusammen lieferten nur 0,8 Terawattstunden täglich.
Dohlers Fazit mit einem Seefahrer-Vergleich: "Wenn ich in einen Sturm gerate, fahre ich nicht zurück nach Bremerhaven. Ich korrigiere den Kurs, aber bleibe bei meinem Ziel." Die Energiewende sei bereits über die Hälfte des Atlantiks – eine 180-Grad-Wende zurück zum Fossilen keine Option.


