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Evonik kürzt Dividende drastisch – Neue Ausschüttungspolitik beschlossen

Spezialchemiekonzern reagiert auf Branchenkrise mit Dividendenkürzung und flexibler Ausschüttungspolitik.

Evonik kürzt Dividende drastisch – Neue Ausschüttungspolitik beschlossen

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik passt seine Dividendenstrategie an die schwierige Branchenlage an. Für das Geschäftsjahr 2025 erhalten Aktionäre nur noch 1,00 Euro je Aktie – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 1,17 Euro des Vorjahres. Die Börse reagierte dennoch positiv: Die Aktie legte bis zum Mittag um 2,19 Prozent auf 14,47 Euro zu.

Die neue Dividendenpolitik markiert einen Strategiewechsel. Künftig sollen zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses ausgeschüttet werden. Jahrelang hatte Evonik stabile Dividenden gezahlt – von 2015 bis 2020 waren es konstant 1,15 Euro, von 2021 bis 2024 dann 1,17 Euro je Aktie. Mit der flexiblen Regelung will der Konzern mehr Spielraum für Investitionen schaffen.

CEO Christian Kullmann begründet den Schritt mit der Notwendigkeit einer ausgewogenen Kapitalallokation. "Wir brauchen eine gute Balance zwischen einer angemessenen Erfolgsbeteiligung für die Aktionäre und der Fähigkeit, zur richtigen Zeit in die besten Zukunftsprojekte zu investieren", erklärt er. Zudem solle die Verschuldung weiter abgebaut werden.

Operative Zahlen unter Druck

Die Geschäftszahlen spiegeln die Herausforderungen wider. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) sank im vergangenen Jahr auf rund 1,87 Milliarden Euro – nach gut zwei Milliarden Euro im Vorjahr. Der Umsatz ging um etwa sieben Prozent auf 14,1 Milliarden Euro zurück. Für 2026 rechnet Evonik mit einem EBITDA zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro.

Interims-Finanzchef Claus Rettig rechnete vor, dass nach dem neuen Modell bei einer 60-prozentigen Ausschüttung für 2025 lediglich 82 Cent je Aktie möglich gewesen wären. Die nun beschlossene Dividende von einem Euro liegt damit deutlich über dieser Bandbreite – ein Signal an die Aktionäre, zu denen die RAG-Stiftung mit rund 25 Prozent zählt.

Chemiebranche in der Krise

Die gesamte chemische Industrie kämpft mit massiven Problemen. Der Branchenverband VCI prognostiziert für 2026 eine stagnierende Produktion und einen Umsatzrückgang von etwa zwei Prozent. VCI-Präsident Markus Steilemann warnte eindringlich: "Die Industrie funkt SOS."

Als Hauptbelastungen nennt der Verband nicht wettbewerbsfähige Produktionskosten, hohe regulatorische Unsicherheit und langwierige Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen chinesische Überkapazitäten und US-Zölle. Evonik-Chef Kullmann kritisiert besonders den Emissionshandel: "Das CO2-Gebührensystem muss weg, mindestens aber drastisch reformiert werden."

Radikaler Konzernumbau läuft

Evonik hat bereits vor anderthalb Jahren einen umfassenden Umbau eingeleitet. Insgesamt sollen rund 3.000 Stellen abgebaut werden, davon 1.000 im laufenden Jahr. Nach Abschluss der Maßnahmen beschäftigt der Konzern noch etwa 29.000 Mitarbeiter. Geschäfte mit rund 3.600 Beschäftigten an den Standorten Marl und Wesseling wurden bereits abgetrennt und könnten verkauft werden.

Kullmann hat auch die Führungsstruktur verschlankt und Management-Ebenen gestrichen. Seine Vision: Evonik müsse sich "vom Buddha-Tempel zur spitzen Pyramide" entwickeln. Der Aufsichtsratsvorsitzende und RAG-Stiftungs-Chef Bernd Tönjes stellt sich demonstrativ hinter die neue Strategie. "Die Dividende von Evonik ist seit vielen Jahren hochattraktiv und verlässlich", betont er. "Mit dem neuen Modell bliebe sie für die Aktionäre attraktiv und bemisst sich dynamisch am Gewinn."

Eine schnelle Besserung der Lage erwartet Kullmann nicht. Die Aussichten bleiben herausfordernd – sowohl für Evonik als auch für die gesamte deutsche Chemieindustrie.

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