Evonik-Aktie steigt 4%: Deutsche Bank hebt Kursziel an
Die Deutsche Bank erwartet, dass Evonik seine Q2-Gewinnprognose um mindestens 14% übertreffen wird – und rechnet mit einer Vorabveröffentlichung.

Die Aktien von Evonik Industries haben am Freitag um mehr als 4% zugelegt. Auslöser war eine positive Einschätzung der Deutschen Bank, die prognostiziert, dass der deutsche Spezialchemiekonzern seine eigene Gewinnprognose für das zweite Quartal deutlich übertreffen wird.
Deutsche-Bank-Analystin Virginie Boucher-Ferte erwartet für das zweite Quartal ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 625 Millionen Euro. Dieser Wert liegt laut ihrer Einschätzung um mehr als 14% über der offiziellen Unternehmensprognose, die ein EBITDA von mindestens 550 Millionen Euro vorsieht. Zudem übertrifft die Schätzung den Bloomberg-Konsens um 4% und den sogenannten Vara-Konsens vom 27. Mai um 10%.
Als wesentlichen Wachstumstreiber identifiziert Boucher-Ferte die Sparte Advanced Technologies. Diese rohstoffnahe Einheit umfasst Methionin, Vernetzer (Crosslinker) sowie das C4- und Infrastrukturgeschäft und dürfte maßgeblich zum starken Quartalsergebnis beitragen.
Jahresprognose erscheint zu konservativ
Angesichts der erwarteten Stärke im zweiten Quartal stellt die Analystin auch die Gesamtjahresprognose des Unternehmens infrage. Die bisherige Unternehmensguidance von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro EBITDA für das Gesamtjahr 2026 „erscheint zu konservativ", so Boucher-Ferte – insbesondere da „ein Teil dieser Stärke wahrscheinlich auf das dritte Quartal übergehen wird".
Die Deutsche Bank hat ihre eigene EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr 2026 daraufhin auf 2,09 Milliarden Euro angehoben. Das entspricht einem Anstieg von 7% gegenüber der vorherigen Schätzung von 1,96 Milliarden Euro. Damit liegt die Bankprognose 5% über dem oberen Ende und 13% über dem Mittelwert der offiziellen Unternehmensguidance sowie 2% über dem Vara-Konsens.
Vorabveröffentlichung noch vor dem offiziellen Quartalsbericht erwartet
Boucher-Ferte geht davon aus, dass Evonik angesichts des erwarteten deutlichen Übertreffens der eigenen Prognose eine Vorabveröffentlichung der Ergebnisse vornehmen könnte. „Angesichts des Ausmaßes des wahrscheinlichen 'Beats' im zweiten Quartal und der Anhebung der Jahresprognose erwarten wir eine Vorabveröffentlichung irgendwann zwischen Ende Juni und Anfang Juli", schrieb die Analystin. Den offiziellen Quartalsbericht plant Evonik für den 4. August.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Deutsche Bank hat ihr Kursziel für die Evonik-Aktie von 16 auf 17 Euro angehoben. Die Einstufung bleibt jedoch unverändert auf „Hold". Das bedeutet, dass die Bank trotz der positiven Gewinnaussichten aktuell keine klare Kaufempfehlung ausspricht, die Aktie aber als fair bewertet betrachtet.
Für Anleger ist die Situation dennoch bemerkenswert: Ein erwartetes Übertreffen der eigenen Prognose um mehr als 14% ist ein starkes Signal. Sollte Evonik tatsächlich eine Vorabveröffentlichung vornehmen, könnte dies weiteren Kursimpuls liefern – auch wenn die Deutsche Bank vorerst bei ihrer vorsichtigen Gesamteinschätzung bleibt.


