Evakuierung von 11.000 Seeleuten aus der Straße von Hormus beginnt
Die IMO koordiniert gemeinsam mit dem Iran, den USA und Oman die Ausfahrt festsitzender Schiffe durch zwei temporäre Seekorridore.

Mehr als 11.000 Seeleute, die im Persischen Golf festsitzen, können endlich die Straße von Hormus passieren. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) gab am Dienstag bekannt, dass ein groß angelegter Evakuierungsplan angelaufen ist – getragen von einer ungewöhnlichen Koalition aus dem Iran, den USA, dem Oman und weiteren Küstenstaaten der Region.
Die Operation werde „in enger Zusammenarbeit mit dem Iran, dem Oman, allen anderen Küstenstaaten der Region, den Vereinigten Staaten und der Schifffahrtsindustrie" durchgeführt, erklärte IMO-Vertreter Dominguez. Die Marine des Omans präzisierte in einem Bulletin, dass die Schiffe in einem gestuften Verfahren durch zwei temporäre Seekorridore ausfahren werden. Jedes Schiff werde einzeln kontaktiert und erhalte konkrete Anweisungen zur Abfahrt sowie seinen jeweiligen Transittag.
Die regulären Schifffahrtswege im Rahmen des Vorkriegs-Verkehrstrennungssystems (Traffic Separation Scheme, TSS) seien derzeit nicht sicher, so das Bulletin der omanischen Marine. Schiffe können die Meerenge über eine Route südlich und eine Route nördlich des TSS verlassen. US-Außenminister Marco Rubio hatte am 2. Juni vor dem Kongress erklärt, der Iran habe weite Teile der Straße von Hormus vermint.
Historische Unterbrechung der globalen Ölversorgung
Der Evakuierungsplan folgt fast eine Woche nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MOU) zwischen dem Iran und den USA zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Der Schiffsverkehr hat seit der Unterzeichnung des MOU zwar zugenommen, bleibt jedoch weit unter dem Vorkriegsniveau.
Laut dem Schiffsverfolgungsdienst MarineTraffic von Kpler verdreifachte sich die Zahl der Transite am Wochenende vom 19. bis 21. Juni auf 93 Schiffe – verglichen mit lediglich 32 Schiffen zwischen dem 12. und 14. Juni. Am Montag durchquerten mindestens 39 Schiffe die Meerenge. Vor dem Krieg passierten täglich mehr als 100 Schiffe die strategisch bedeutsame Passage.
Die Straße von Hormus ist für die globalen Energiemärkte von entscheidender Bedeutung. Rund 20 Prozent der weltweiten Ölvorräte passierten die Meerenge, bevor die USA und Israel den Iran am 28. Februar angriffen. Als Reaktion auf diesen Angriff begann der Iran mit Attacken auf Handelsschiffe, was den Tankerverkehr zum Erliegen brachte und die größte Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte auslöste.
Schrittweise Normalisierung des Schiffsverkehrs
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Zur AktienanalyseFür deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung in der Straße von Hormus von erheblicher Bedeutung. Deutschland ist als exportorientierte Volkswirtschaft stark von stabilen Energiepreisen und funktionierenden Schifffahrtsrouten abhängig. Eine vollständige Wiederöffnung der Meerenge würde den Druck auf die globalen Ölpreise deutlich mindern.
Die koordinierte Evakuierungsoperation unter IMO-Führung gilt als wichtiger erster Schritt zur Normalisierung. Ob der Schiffsverkehr mittelfristig wieder das Vorkriegsniveau von mehr als 100 Transits täglich erreicht, hängt maßgeblich von der weiteren geopolitischen Entwicklung in der Region ab.


