Eurozone wächst stärker als erwartet – KI-Investitionen als Treiber
Die Wirtschaft der Eurozone legte im zweiten Quartal um 0,4 Prozent zu und übertraf damit deutlich die Prognosen von 0,2 Prozent.

Die Wirtschaft der Eurozone ist im zweiten Quartal schneller gewachsen als von Analysten erwartet. Mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal übertrafen die 21 Euro-Länder die in einer Reuters-Umfrage ermittelten Erwartungen von lediglich 0,2 Prozent deutlich. Die Daten wurden am Donnerstag vom europäischen Statistikamt Eurostat veröffentlicht.
Im Jahresvergleich beschleunigte sich das Wachstum im Währungsraum mit seinen rund 360 Millionen Einwohnern auf 1,0 Prozent – ebenfalls weit über den prognostizierten 0,5 Prozent. Zur positiven Überraschung trugen auch nach oben korrigierte Wachstumszahlen aus früheren Quartalen bei. Viele der größten Volkswirtschaften des Blocks übertrafen dabei ihre jeweiligen Einzelprognosen.
Als Wachstumstreiber nennen Beobachter mehrere Faktoren: sprunghaft ansteigende Unternehmensinvestitionen in Künstliche Intelligenz (KI), umfangreiche Staatsausgaben sowie eine Reihe von Einmaleffekten. Auch der private Konsum hielt sich trotz düsterer Erwartungen stabil. Die deutsche Bundesregierung fährt zudem ihre lang versprochenen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur langsam aber sicher hoch.
Belastungen durch Energie und geopolitische Risiken
Trotz der positiven Überraschung bleibt das Wachstum insgesamt schwach. Rasant steigende Energiekosten und der Krieg im Iran dämpften die wirtschaftliche Dynamik erheblich. Die meisten Prognostiker rechnen für das Gesamtjahr nun mit einem Wachstum von weniger als 1 Prozent – ein Wert, der deutlich unter dem bereits reduzierten Wachstumspotenzial des Euroraums liegt.
Das zweite Quartal sollte ursprünglich den Beginn einer Erholung nach einem schwierigen Jahr für Europa markieren. Doch die Energiekostenentwicklung verhinderte eine stärkere Dynamik. Im Vergleich zum anhaltenden Boom in den USA, deren Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als 2 Prozent wachsen wird, bleibt der Euroraum deutlich zurück. Das US-Wachstum wird dabei teilweise durch Ausgaben des Privatsektors für KI angetrieben, die als potenziell nicht nachhaltig gelten.
Arbeitsmarkt zeigt sich robust
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Zur AktienanalyseEin weiterer Lichtblick für den Euroraum ist der stabile Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote verharrte im Juni bei 6,3 Prozent und trotzte damit den Erwartungen einer Abschwächung. Auch ein wichtiger Wirtschaftsindikator, der ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht wurde, stieg stärker als erwartet – getragen von einer besseren Stimmung sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor.
Die Industrie, die sich seit Jahren in einer Flaute befindet, hat sich überraschend gut gegen die hohen Energiekosten behauptet. Anders als in den Vorjahren, in denen sie eine dauerhafte Belastung darstellte, könnte sie nun sogar zum Wachstum beitragen. Insgesamt zeigt der Euroraum damit jene Widerstandsfähigkeit, die bereits in früheren Krisen wie der COVID-19-Pandemie und nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zu beobachten war.


