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Eurozone-Inflation steigt auf 3,2 Prozent – EZB-Zinserhöhung im Juni erwartet

Die Verbraucherpreise in der Eurozone beschleunigten sich im Mai stärker als erwartet – angetrieben von Energie und Dienstleistungen.

Eurozone-Inflation steigt auf 3,2 Prozent – EZB-Zinserhöhung im Juni erwartet

Die Inflation in der Eurozone hat sich im Mai weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise in den 21 Ländern der Währungsunion stiegen auf 3,2 Prozent, nach 3,0 Prozent im Vormonat April. Das zeigen Daten des europäischen Statistikamts Eurostat vom Dienstag. Der Wert liegt zwar im Rahmen der Erwartungen einer Reuters-Umfrage, übertrifft jedoch deutlich das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent.

Haupttreiber des Preisanstiegs waren die Energiekosten, die um 10,9 Prozent zulegten, sowie ein unerwartet kräftiger Anstieg der Dienstleistungsinflation von 3,0 auf 3,5 Prozent. Besonders besorgniserregend für die Währungshüter dürfte die Entwicklung der Kerninflation sein: Sie stieg stärker als erwartet von 2,2 auf 2,5 Prozent. Die Kerninflation klammert volatile Energie- und Lebensmittelpreise aus und gilt als zuverlässigerer Indikator für den zugrundeliegenden Preisdruck.

Markt erwartet Zinserhöhung um 25 Basispunkte

Die Finanzmärkte haben auf die Datenlage bereits reagiert: Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der EZB-Sitzung am 11. Juni ist vollständig eingepreist. Darüber hinaus rechnen Marktteilnehmer mit ein oder zwei weiteren Erhöhungen im Herbst. Die EZB-Entscheidungsträger hatten bereits im Vorfeld klargestellt, dass die erhöhte Inflation eine Anhebung der Kreditkosten rechtfertigt.

„Der weitere Anstieg der Gesamtinflation und insbesondere der Dienstleistungsinflation im Mai bestärkt die Argumente für eine Zinserhöhung der EZB in der nächsten Woche und deutet darauf hin, dass die Aufwärtsrisiken für die Kerninflation höher sein könnten als wir erwartet hatten", sagte Andrew Kenningham von Capital Economics. Auch der finnische Zentralbankchef Olli Rehn, der als eher taubenhafte Stimme im EZB-Rat gilt, schloss sich dieser Einschätzung an: „Obwohl die Inflationsrisiken zugenommen haben, wäre eine Zinserhöhung im Juni eine präventive Maßnahme, aber nicht auf verfestigten Inflationsdruck zurückzuführen."

Energiepreise belasten Wirtschaft und Inflation zugleich

Erhöhte Energiepreise bergen das Risiko, auf die Gesamtwirtschaft überzugreifen und einen anhaltenden Inflationsdruck auszulösen. Europa ist ein Netto-Energieimporteur, und der Industriesektor des Kontinents – der bereits durch den Verlust von billigem russischem Gas nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sowie durch höhere US-Zölle belastet wurde – gerät zunehmend ins Straucheln. Selbst wenn der Iran-Krieg bald enden sollte, seien die Schäden an der Energieinfrastruktur und den Lieferketten bereits entstanden, was die Normalisierung verlangsame und die Preise bis weit in die zweite Jahreshälfte hoch halte.

Dennoch wird erwartet, dass jede geldpolitische Straffung moderat ausfallen wird – weit weniger aggressiv als die Rekordserie von Zinserhöhungen im Jahr 2022. Ein schwächeres zugrundeliegendes Wachstum schränkt die Fähigkeit der Unternehmen ein, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben. Indikatoren von PMI-Umfragen bis hin zu den eigenen Daten der EZB deuten auf einen wachsenden Druck auf die Realwirtschaft hin.

Schwächerer Arbeitsmarkt dämpft Zweitrundeneffekte

Anders als während des Inflationsschubs im Jahr 2022 ist der Arbeitsmarkt aktuell schwächer, was die Vorsicht der Verbraucher verstärkt. Ökonomen zufolge könnte dies bedeuten, dass hohe Energiepreise weniger Zweitrundeneffekte auf die Inflation erzeugen als noch vor vier Jahren – und damit den Druck auf die EZB, aggressiv zu handeln, etwas mildert.

Die Haushalte verfügen zwar über reichlich Ersparnisse und könnten ihre Ausgaben kurzfristig aufrechterhalten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Verbraucher schnell vorsichtig werden, wenn sich die Nachrichtenlage eintrübt. Weitere Abwärtskorrekturen der ohnehin gedämpften Wachstumsprognosen erscheinen wahrscheinlich.

„Eine Zinserhöhung wird für die EZB unumgänglich", sagte Vincent Stamer, Ökonom bei der Commerzbank. „Eine weitere Zinserhöhung im dritten Quartal dürfte ebenfalls folgen." Die EZB steht damit vor einem klassischen Dilemma: steigende Preise auf der einen, schwächelndes Wachstum auf der anderen Seite.

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