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Eurozone-Industrie verliert Schwung: PMI sinkt, Inputkosten auf Vierjahreshoch

Das verarbeitende Gewerbe der Eurozone wächst langsamer, während steigende Energie- und Rohstoffpreise die Kosten auf den höchsten Stand seit vier Jahren treiben.

Eurozone-Industrie verliert Schwung: PMI sinkt, Inputkosten auf Vierjahreshoch

Das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe der Eurozone hat im Mai spürbar an Dynamik verloren. Der S&P Global Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe fiel von 52,2 Punkten im April auf 51,6 Punkte im Mai – lag damit aber noch über der ersten Schätzung von 51,4 Punkten. Ein Wert oberhalb der Wachstumsschwelle von 50,0 signalisiert weiterhin eine Expansion der Industrietätigkeit.

Trotz des vierten Wachstumsmonats in Folge zeigt der Sektor deutliche Belastungszeichen. „Obwohl die Hersteller in der Eurozone im Mai den vierten Monat in Folge eine Expansion meldeten, zeigt der Sektor Anzeichen von Schwierigkeiten unter der Last steigender Preise und Lieferunterbrechungen infolge des Krieges im Nahen Osten", erklärte Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global Market Intelligence.

Nachfrage stagniert, Exportaufträge rückläufig

Besonders auffällig ist die Stagnation bei den Auftragseingängen im Mai. Das stellt eine deutliche Kehrtwende gegenüber dem April dar, als die Nachfrage so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr gewachsen war – damals hatten Verbraucher Käufe vorgezogen. Zusätzlich gingen die Exportaufträge zurück und verstärkten damit den Rückgang der Gesamtnachfrage.

Die Industrieproduktion expandierte zwar weiter, jedoch mit dem langsamsten Tempo seit Januar. Der Produktionsindex sank von 52,3 im April auf ein Viermonatstief von 51,3. Die Beschäftigung im Sektor ist unterdessen seit drei Jahren rückläufig – ein strukturelles Problem, das die Erholung des Sektors zusätzlich belastet.

Inputkosten auf höchstem Stand seit Mai 2022

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Preisen. Die Inputkosten stiegen so stark wie seit Mai 2022 nicht mehr, angetrieben durch einen deutlichen Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise. Lieferkettenunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten verschärften die Situation zusätzlich – die Lieferverzögerungen erreichten das schwerwiegendste Ausmaß seit Juni 2022.

Die Unternehmen gaben einen Teil dieser Kostenlast an ihre Kunden weiter und hoben die Verkaufspreise so schnell wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr an. Williamson warnte: „Die Fabriken müssen die höheren Kosten an die Kunden weitergeben, was die Inflation in den kommenden Monaten unweigerlich in die Höhe treiben wird. Die Nachfrage wird jedoch durch die höheren Preise beeinträchtigt, wobei die Auftragsbücher im Mai nach drei aufeinanderfolgenden monatlichen Verbesserungen stagnierten."

EZB vor schwierigem Abwägungsprozess

Die Entwicklungen stellen die Europäische Zentralbank (EZB) vor ein schwieriges Dilemma. Einerseits deutet die Umfrage auf einen erneuten Inflationsschub hin, den die Notenbank eindämmen will. Andererseits birgt eine aggressive Zinspolitik angesichts der schwächelnden Nachfrage erhebliche Risiken für die Konjunktur.

Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen vom Mai erwartet die Mehrheit, dass die EZB ihren Einlagensatz in diesem Monat und mindestens ein weiteres Mal in diesem Jahr anheben wird. Ziel ist es, zu verhindern, dass die höheren Energiepreise auf die Kerninflation durchschlagen. Die Inflation wird voraussichtlich weiter über dem 2-Prozent-Ziel der EZB liegen.

Die Zuversicht der Hersteller für das kommende Jahr bleibt zwar positiv, liegt jedoch unter dem langfristigen Durchschnitt. Für Anleger und Beobachter des europäischen Industriesektors bleibt die Kombination aus steigenden Kosten, stagnierender Nachfrage und anhaltenden Lieferkettenproblemen ein zentrales Risikothema in den kommenden Monaten.

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