Europas Rüstungsindustrie im Aufwind
Wachstumschancen durch steigende Verteidigungsausgaben und neue Strategien

Die europäische Rüstungsindustrie erlebt angesichts der globalen Sicherheitslage eine Phase des Wachstums. Fast drei Jahre nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine hat sich die Sicherheitslage in Europa erheblich verschärft. Die Nachfrage nach Waffensystemen steigt kontinuierlich, und europäische Unternehmen wie Rheinmetall, KNDS oder Leonardo profitieren von der zunehmenden Anzahl an Rüstungsaufträgen.
Dennoch gibt es Herausforderungen: In Bereichen wie dem Bau von Kampfpanzern herrscht weiterhin keine Massenfertigung. Deutschland hat erst im Sommer 2024 105 Leopard-2-Kampfpanzer für die Bundeswehr bestellt, und viele Unternehmen befinden sich noch immer im Übergang von einer handwerklichen Fertigung hin zu einer kontinuierlichen Produktion. Experten wie Frank Haun, der frühere Chef des Rüstungskonzerns KNDS, warnen vor Europas mangelnder Verteidigungsfähigkeit und sehen dringenden Handlungsbedarf.
Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten stiegen 2024 auf 326 Milliarden Euro, was etwa 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Länder wie Deutschland investieren zudem in langfristige Strategien zur Förderung der heimischen Rüstungsindustrie. Die „Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie“ der Bundesregierung zielt darauf ab, eine kontinuierliche Produktion zu gewährleisten, Regularien zu entschlacken und Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Sensorik gezielt zu fördern.
Gleichzeitig drängt die europäische Rüstungsindustrie auf eine stärkere Konsolidierung. Unternehmen wie Rheinmetall und Leonardo gehen mit Joint Ventures voran, um ihre Positionen auf dem Markt zu stärken. Die Zusammenarbeit beim Kampfpanzer Panther ist ein Beispiel für diese Bemühungen. Auch im Marineschiffbau zeichnen sich Veränderungen ab: Thyssen-Krupp sucht aktiv nach einem Käufer für sein Marinegeschäft TKMS, wobei Rheinmetall, Lürssen-Werft und Deutz zu den potenziellen Interessenten gehören.
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Zur AktienanalyseDie US-Investmentbank Bank of America erwartet, dass die Rüstungsindustrie bis mindestens 2026 ein starkes Wachstum verzeichnen wird. Dieses Wachstum wird durch die politischen Entwicklungen in den USA und Europa begünstigt. Während Donald Trump höhere Verteidigungsausgaben der NATO-Mitglieder fordert, hat die Bundesregierung ihre Ausgaben für Verteidigungsgüter ebenfalls deutlich erhöht. Rheinmetall plant, seinen Umsatz bis 2027 auf 20 Milliarden Euro zu verdoppeln. Mit diesen Entwicklungen scheinen europäische Rüstungsunternehmen für die kommenden Jahre gut aufgestellt zu sein.


