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Europas Energieabhängigkeit von Russland: Gas, Öl und Uran

Die EU hat ihre Gasimporte aus Russland stark reduziert, doch bei Uran stockt der Ausstieg.

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Europas Energieabhängigkeit von Russland: Gas, Öl und Uran

Die Europäische Union hat ihre Gaseinfuhren aus Russland seit der Großinvasion der Ukraine um drei Viertel reduziert. Anfang 2022 stammte noch die Hälfte aller EU-Gasimporte aus Russland. Ein LNG-Importverbot soll ab Beginn des kommenden Jahres greifen, das Verbot von Pipeline-Gas ab Herbst. Damit will Brüssel die Abhängigkeit von einem Lieferanten beenden, der die Ukraine nach Einschätzung von Beobachtern mit Raketen und Drohnen terrorisiert.

Insgesamt hat die EU nach Daten des Russia Fossil Tracker der finnischen Denkfabrik CREA rund 238 Milliarden Euro für Kohle, Öl und Gas aus Russland ausgegeben. Diese Summe verdeutlicht, wie tief die wirtschaftlichen Verflechtungen waren – und wie schwer sie sich lösen lassen. Während bei Gas und Öl bereits konkrete Ausstiegsfahrpläne existieren, bleibt ein Bereich bislang weitgehend unbeachtet.

Beim Öl fehlt der versprochene Plan

Die EU-Kommission hatte Anfang des Jahres einen Plan zum Ölausstieg zugesagt. Dieser liegt bis heute nicht vor. Ungarn und die Slowakei sind weiterhin über die Druschba-Pipeline von russischem Öl abhängig, was eine gemeinsame Linie erschwert. Zusätzlich sorgte die US-Regierung mit einem Dieseldeal mit Russland für Irritationen. US-Präsident Donald Trump setzte zudem Sanktionen gegen das Putin-Regime kurz vor deren Inkrafttreten aus.

Vor diesem Hintergrund mahnt Ben McWilliams vom Thinktank Bruegel zur Geschlossenheit: "In Euro ausgedrückt sind diese Beträge nicht so groß. Für Putins Kriegsmaschinerie sind Öl und Gas entscheidender. Aber das Problem bei Uran ist die strategische Abhängigkeit von Russland." Seine Haltung, dass die Russland-Diplomatie Washingtons die europäische Linie nicht beeinflussen dürfe, teilt eine Mehrheit der EU-Abgeordneten.

Uran: die unterschätzte Abhängigkeit

Während Gas und Öl in Brüssel und Straßburg breit diskutiert werden, ist die Uranabhängigkeit selten Thema. Laut Euratom sind die Uranimporte aus Russland seit Jahren nahezu unverändert. Der russische Staatskonzern Rosatom hat sein Urananreicherungsgeschäft in der EU sogar ausgebaut. In fünf EU-Ländern stehen Reaktoren russischer Bauart, die auf entsprechende Brennelemente angewiesen sind.

Künftig sollen diese Brennelemente aus Lingen in Deutschland kommen – hergestellt von einem Joint Venture aus Framatome und Rosatom. Damit bleibt die technische und wirtschaftliche Verflechtung mit Russland bestehen. Der Ausstieg aus russischem Uran ist technisch komplizierter als bei Gas oder Öl, weil Brennstäbe und Reaktortechnik eng aufeinander abgestimmt sind.

Immerhin ist die Lieferantenbasis beim Uran breiter aufgestellt: Neben Russland zählen Kanada, Kasachstan und Australien zu den wichtigen Quellen. Der Fortschritt beim Uran-Ausstieg stockt jedoch trotz Absichtserklärungen – auch wegen Widerstands in Frankreich, wo die Atomkraft eine zentrale Rolle spielt.

Neue Abhängigkeiten drohen

Für Privatanleger ist die Entwicklung in mehrfacher Hinsicht relevant. Energieversorger und Industrieunternehmen mit hohem Strombedarf sind besonders exponiert, wenn Lieferketten sich verschieben. Gleichzeitig rückt der Ausbau erneuerbarer Energien in den Fokus: Die EU soll zunehmend auf Strom aus Sonne und Wind setzen.

Doch hier droht eine neue Abhängigkeit – bei Solarpaneelen und Windrädern aus China. Die Abgeordnete Hanna Gedin von der schwedischen Vänsterpartiet kritisiert die zögerliche Haltung der Politik: "Wo bleibt die versprochene Gesetzgebung? Wo bleibt Ihr Mut, mit gutem Beispiel voranzugehen?" Der französische Abgeordnete Pascal Canfin von der Renew-Fraktion warnt, das Ungleichgewicht habe Russland zum Erpresser gemacht – und dürfe sich nicht wiederholen.

Der Abgeordnete Jens Geier bringt die Grundhaltung vieler im Parlament auf den Punkt: "Wir sind in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Kriegstreiber, und das muss so schnell es irgendwie geht beendet werden." Ob dieser Anspruch bei Uran, Öl und den neuen Technologien eingelöst wird, bleibt offen. Klar ist: Die europäische Energiesicherheit ist ein Prozess, der weit über Gas hinausreicht – und Anleger sollten Lieferkettenrisiken genau beobachten.

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