Europäischer Gasmarkt: Erster Monatsgewinn seit vier Monaten dank Nahostkonflikt
Nahostspannungen und volle Speichersorgen treiben europäische Gaspreise im Juli um über 30 Prozent nach oben.

Die europäischen Großhandelspreise für Erdgas zeigten sich am Freitag weitgehend stabil – doch der Blick auf den Gesamtmonat Juli erzählt eine andere Geschichte. Der Markt verzeichnet seinen ersten Monatsgewinn seit vier Monaten und die stärkste monatliche Performance seit März. Treiber sind eine dramatische Eskalation des militärischen Konflikts im Nahen Osten sowie wachsende Sorgen über die europäischen Gasspeicher.
Der niederländische Frontmonatskontrakt am TTF-Hub, der europäischen Benchmark für Erdgas, notierte zuletzt bei rund 57,60 Euro pro Megawattstunde (MWh). Der britische Großhandelskontrakt handelte bei etwa 141 Pence pro Therm. Trotz täglicher Gewinnmitnahmen und Berichten über eine leichte Entspannung bei den Schifffahrtsengpässen im Persischen Golf beendeten beide Kontrakte den Juli mit massiven monatlichen Zuwächsen.
Nahostkonflikt als Preistreiber
Die europäischen Gas-Benchmarkpreise stiegen im Laufe des Monats um über 30 Prozent und durchbrachen damit eine dreimonatige Verlustserie. Es ist der größte monatliche Preissprung seit dem frühen Frühjahr. Ausgelöst wurde der dramatische Anstieg durch die Verschärfung der militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran – darunter gemeinsame Angriffe der USA und Saudi-Arabiens auf Ziele pro-iranischer Milizen, iranische Starts ballistischer Raketen sowie neue US-Luftangriffe im Iran.
Der anhaltende Konflikt rückte die Straße von Hormus in den Fokus der Energiemärkte. Dieser strategisch bedeutsame Seeweg ist ein zentraler Transitkorridor für Flüssigerdgas (LNG) aus Katar – einem der wichtigsten LNG-Lieferanten Europas. Engpässe oder Unterbrechungen in dieser Region hätten unmittelbare Auswirkungen auf die europäische Gasversorgung, was die Nervosität der Marktteilnehmer erheblich steigerte.
Europäische Gasspeicher deutlich unter Durchschnitt
Zu den geopolitischen Versorgungsängsten gesellten sich hausgemachte Probleme: Das Tempo der Wiederauffüllung der europäischen Untergrundspeicher verlangsamte sich im Juli spürbar. Ungewöhnlich heißes Wetter in Mittel- und Südeuropa erhöhte die Stromnachfrage für Kühlzwecke erheblich. Dadurch wurde Gas verstärkt zur Stromerzeugung genutzt, anstatt in die Speicheranlagen zu fließen.
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Zur AktienanalyseDie Folge: Die Gasspeicher der Europäischen Union waren Ende Juli zu lediglich rund 55 Prozent gefüllt. Dieser Wert liegt deutlich unter dem historischen Fünfjahresdurchschnitt und signifikant hinter der Entwicklung zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres zurück. Für die Energieversorgungssicherheit Europas ist das ein beunruhigendes Signal, denn die Heizperiode beginnt offiziell am 1. November.
Da die Speicherziele vor dem Winterbeginn hinterherhinken, erwarten Analysten, dass die europäischen Gas-Futures bis in den August hinein hochvolatil bleiben werden. Die TTF-Preise dürften dabei eine starke Untergrenze gegenüber der konkurrierenden asiatischen Nachfrage nach verfügbaren flexiblen LNG-Ladungen beibehalten. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen bedeutet dies: Die Energiepreise bleiben ein zentrales Risikothema im zweiten Halbjahr 2025.


