ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Europäische Rüstungsaktien: Anleger bewerten Kriegsgewinner neu

Gewinnmitnahmen, hohe Bewertungen und der Aufstieg billiger Drohnen bremsen die Rally europäischer Verteidigungswerte spürbar aus.

Europäische Rüstungsaktien: Anleger bewerten Kriegsgewinner neu

Die Euphorie um europäische Rüstungsaktien ist vorerst verflogen. Der MSCI Europe Aerospace and Defence Index fiel im März um 9,2 Prozent – der stärkste monatliche Rückgang seit fünf Jahren. Gewinnmitnahmen, ambitionierte Bewertungen und eine wachsende Unsicherheit über die Zukunft moderner Kriegsführung belasten den Sektor.

Besonders hart traf es den tschechischen Waffenhersteller CSG, dessen Aktie seit Beginn des Iran-Konflikts am 28. Februar um fast ein Drittel eingebrochen ist. Die deutschen Rüstungskonzerne Rheinmetall und Renk verloren jeweils rund 10 Prozent, der schwedische Konzern Saab büßte etwa 12 Prozent ein. Dabei hatten europäische Rüstungsaktien seit der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 zu den stärksten Performern am Markt gezählt – mit einem Kursanstieg von mehr als 450 Prozent, verglichen mit einem Plus von rund 40 Prozent beim breiten MSCI Europe Index.

„Es gab ein beträchtliches De-Grossing, da Finanzinstitute und Privatanleger angesichts der gestiegenen Unsicherheit versucht haben, ihr Exposure zu reduzieren", sagte Martin Frandsen, Portfoliomanager bei Principal Asset Management. Solche überfüllten Long-Positionen – sogenannte „Crowded Trades" – können Kursbewegungen erheblich verstärken, wenn die Marktstimmung dreht.

Bewertungen liefen der Realität voraus

Bei Ausbruch des Iran-Konflikts notierte der europäische Luftfahrt- und Verteidigungsindex beim rund 29-Fachen der Gewinnprognosen – nahe einem Rekordhoch vom Ende des Vorjahres. „Ein Anstieg der Verteidigungsbudgets in den kommenden Jahren war in den weltweiten Kursen von Rüstungsaktien bereits eingepreist", erklärte Aarin Chiekrie, Aktienanalyst bei Hargreaves Lansdown. „Infolgedessen ist der jüngste Rücksetzer teilweise darauf zurückzuführen, dass die Wachstumserwartungen im Sektor der Realität vorausgeeilt sind."

Hinzu kommt, dass der Auftragseingang langsamer verlief als von vielen Investoren erhofft. Analysten von Morgan Stanley verweisen auf verzögerte oder gestaffelte Verträge in Ländern wie Frankreich und Großbritannien, wo fiskalischer Druck die Vergabe bremst. Die Rally war maßgeblich durch Zusagen europäischer Regierungen zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben sowie durch die Lockerung der deutschen Fiskalregeln zur massiven Aufrüstung befeuert worden.

Louis-Vincent Gave, CEO von Gavekal Research, sieht einen breiteren Zusammenhang: „Der Beginn des Iran-Krieges, der daraus resultierende starke Anstieg der Energiepreise und die Unterbrechungen der Lieferketten scheinen alle Arten von Crowded Trades bereinigt zu haben. Genauso wie Gold, Silber, Kupfer und andere Metalle deutlich nachgaben, taten dies auch die Rüstungsaktien."

Drohnen stellen traditionelle Waffensysteme infrage

Der Iran-Konflikt hat eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft der Kriegsführung neu entfacht. Einerseits feuerten die Golfstaaten hunderte in den USA hergestellte Patriot-Abfangraketen zu einem Preis von jeweils rund 4 Millionen US-Dollar ab. Andererseits rücken deutlich günstigere Lösungen in den Fokus – insbesondere Angriffsdrohnen und Drohnen-Abfangjäger, wie sie auch im Ukraine-Krieg zunehmend an Bedeutung gewonnen haben.

„Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts gibt es einen Wandel in der Frage nach der ‚Zukunft der Kriegsführung'. Die wachsende Rolle neuer Technologien wie wesentlich günstigerer Drohnen stellt die Nachfrage nach herkömmlichen, teureren Plattformen infrage", sagte Ciaran Callaghan, Leiter der europäischen Aktienanalyse bei Amundi. Einige Konzerne reagieren bereits: Rheinmetall schloss im vergangenen Jahr eine Vereinbarung mit dem US-Unternehmen Anduril, um gemeinsam europäische Varianten der Drohnen Barracuda und Fury zu entwickeln.

Rheinmetall selbst betonte, es sei „unvermeidlich", dass Länder angesichts des andauernden Iran-Krieges mehr für die Luftverteidigung ausgeben würden. Den Kursrückgang im Sektor konnte diese Einschätzung jedoch nicht aufhalten.

Langfristige Argumente bleiben intakt

Trotz der Korrektur sehen Analysten die strukturellen Wachstumstreiber für europäische Rüstungsaktien weiterhin als solide an. LSEG-Daten zeigen Nettozuflüsse von 1,32 Milliarden US-Dollar in den WisdomTree Europe Defence ETF im bisherigen Jahresverlauf 2026 – davon netto 377 Millionen US-Dollar allein seit Beginn des Iran-Konflikts. Zwei kleinere Verteidigungs-ETFs, der iShares Europe Defence ETF und der HANetf Future of Defence ETF, verzeichneten in diesem Jahr zusammen Zuflüsse von 355 Millionen US-Dollar, davon 124 Millionen seit Konfliktbeginn.

Die Mittelflüsse deuten damit auf selektive Käufe bei Kursschwäche hin – ein Zeichen, dass institutionelle Anleger den Sektor nicht aufgegeben haben. „Das längerfristige Wachstumsbild bleibt intakt, getrieben durch die Notwendigkeit für Länder rund um den Globus, ihre Kapazitäten nach Jahrzehnten der Unterinvestition wiederaufzubauen", sagte Chiekrie von Hargreaves Lansdown. Für Privatanleger bedeutet die aktuelle Lage: Die große Aufholjagd europäischer Rüstungskonzerne ist vorerst pausiert – die strukturellen Treiber aber bleiben bestehen.

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