Europäische Investmentbanken verlieren Marktanteile an Wall-Street-Giganten
Während JPMorgan und Morgan Stanley Rekordumsätze feiern, kämpfen BNP Paribas, Deutsche Bank und SocGen mit schwachen Quartalsergebnissen.

Europas Investmentbanken geraten im Wettbewerb mit den großen US-Häusern zunehmend ins Hintertreffen. Die Ergebnisse des ersten Quartals von BNP Paribas, der Deutschen Bank und anderen europäischen Branchengrößen zeichneten ein gemischtes Bild: Mehrere Institute meldeten Umsatzrückgänge oder nur geringfügige Zuwächse in ihren Handels- und Beratungssparten. US-Riesen wie JPMorgan und Morgan Stanley hingegen verzeichneten Rekordumsätze, da ihre Händler von erhöhter Marktvolatilität profitierten.
Der Rückstand ist kein kurzfristiges Phänomen. US-Investmentbanken haben ihren europäischen Pendants seit der Finanzkrise 2008–2009 schrittweise Marktanteile abgenommen – zunächst durch eine schnellere Bereinigung ihrer Bilanzen, seither durch tiefere und profitablere heimische Kapitalmärkte, mit denen sie ihr internationales Geschäft subventionieren können.
Regulierung begünstigt die Wall Street
Die Trump-Administration verstärkt diesen Trend zusätzlich. Vorgeschlagene Änderungen an den sogenannten „Basel III"-Regeln und den „G-SIB-Zuschlägen" könnten das erforderliche Kapitalniveau der Wall-Street-Banken um etwa 4,8% senken. Dies ist ein erheblicher Sieg für die US-Bankenbranche, die ursprünglich mit Kapitalerhöhungen von bis zu 20% konfrontiert gewesen wäre.
Barclays-CEO C. S. Venkatakrishnan brachte die Lage auf den Punkt: „Je weiter die Schere auseinandergeht, desto größer werden die Wettbewerbshindernisse, die wir überwinden müssen." Er ergänzte: „Wir haben gute Arbeit geleistet, dies zu bewältigen, und wir werden es auch weiterhin tun, aber es ist ein Wettbewerbsvorteil, den die US-Banken erhalten, wenn diese Disparitäten wachsen."
Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung bei den weltweiten Gebühren im Investmentbanking – etwa für Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Kapitalbeschaffung. Der europäische Anteil fiel laut LSEG-Daten im vergangenen Jahr auf 21%, verglichen mit 29% im Jahr 2015. US-Banken steigerten ihren Anteil im gleichen Zeitraum von 46% auf 51%. Im ersten Quartal dieses Jahres schrumpfte der europäische Anteil sogar auf 20% – den niedrigsten Wert seit Beginn der LSEG-Aufzeichnungen im Jahr 2000. Der US-Anteil erreichte gleichzeitig 54%.
Schwache Quartalszahlen bei BNP Paribas und SocGen
Im Detail: BNP Paribas meldete einen Rückgang der Gesamterträge im Investmentbanking um 0,8%. Bei der Societe Generale sank der Umsatz in der Investmentbanking-Sparte – ihrer größten Sparte – um 4,5%, belastet durch einen Einbruch von 18% im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. SocGen-CEO Slawomir Krupa machte schwächere Kundenaktivität, volatile kurzfristige Zinsen sowie mangelnde Diversifizierung für das Ergebnis verantwortlich. Analysten der Citi bezeichneten die Performance der SocGen im Investmentbanking als „enttäuschend auf ganzer Linie".
Bei der Investmentbank der Deutschen Bank stagnierten die Erträge. Bankmanager erklärten, dass die Emissionsaktivität am Kapitalmarkt im März einen Dämpfer erhielt, sich aber im April wieder erholte. Auch der Zinshandel war vergleichsweise schwach.
Der Marktanteil europäischer Investmentbanken an den Kapitalmärkten schrumpfte laut Oliver Wyman auf geschätzte 32% im Jahr 2025, verglichen mit 41% im Jahr 2012. Ihr Anteil an den Erträgen aus dem Markthandel hielt sich dagegen in den letzten Jahren relativ stabil bei rund 31% des kombinierten Gesamtergebnisses von US-amerikanischen und europäischen Investmentbanken, so Daten von Coalition Greenwich für den Zeitraum 2021 bis 2025.
UBS als Ausnahme – Analysten bleiben vorsichtig optimistisch
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Zur AktienanalyseEinen positiven Ausreißer lieferte die Schweizer UBS: Ihre Erträge im Investmentbanking sprangen im Jahresvergleich um 27%, beflügelt durch die Handelssparte. Finanzvorstand Todd Tuckner verwies auf den „kapitalschonenden Ansatz" der Bank als entscheidenden Faktor.
Trotz der strukturellen Herausforderungen erwarten Analysten für dieses Jahr insgesamt ein Wachstum der Erträge im europäischen Investmentbanking. Als Treiber gelten volatile Märkte und eine lebhaftere Dealmaking-Aktivität. Die Deutsche Bank hob ihren Ausblick für die Erträge im Investmentbanking für 2026 an und erwartet nun ein höheres statt nur ein leicht höheres Ergebnis.
Dennoch bleibt die strukturelle Benachteiligung bestehen: Europäische Banken sind oft stärker im Anleihegeschäft und in der bilanzintensiven Finanzierung aktiv – genau jene Bereiche, in denen US-Konkurrenten mit neu freigesetztem Kapital besonders effektiv konkurrieren können. Zusätzlich verlieren Banken weltweit Geschäft an spezialisierte Market-Maker-Firmen wie Citadel Securities und XTX im Aktien- und Devisenhandel.


