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Europäische Gaspreise steuern auf ersten Quartalsrückgang seit über einem Jahr zu

Trotz eines täglichen Anstiegs von 2 Prozent zeichnet sich für den TTF-Kontrakt der erste Quartalsrückgang seit sechs Quartalen ab.

Europäische Gaspreise steuern auf ersten Quartalsrückgang seit über einem Jahr zu

Die europäischen Großhandelspreise für Erdgas legten am Dienstag zwar zu, steuern jedoch auf ihren ersten Quartalsrückgang seit über einem Jahr zu. Der Frontmonatskontrakt am niederländischen TTF – der europäischen Benchmark für Erdgas – stieg im Tagesverlauf um 2 Prozent auf 43,44 Euro pro Megawattstunde. Damit zeichnet sich dennoch der erste Quartalsrückgang seit sechs Quartalen ab.

Auch der britische Großhandelskontrakt für Gas legte um 2 Prozent auf 104,57 Pence pro Therm zu, steuert jedoch ebenfalls auf den ersten Quartalsrückgang seit fünf Quartalen zu. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind zwei wesentliche Faktoren: ein deutlicher Rückgang der weltweiten Rohölpreise sowie die Normalisierung des Schiffsverkehrs im Nahen Osten.

Straße von Hormus als Schlüsselfaktor

Der vierteljährliche Abwärtstrend markiert eine deutliche Wende gegenüber dem frühen Quartalsverlauf. Damals hatten heftige militärische Konflikte unter Beteiligung des Irans systemrelevante Energielieferketten bedroht und die europäischen Gaspreise auf Mehrmonatshochs getrieben. Die Risikoprämien, die sich infolge der geopolitischen Spannungen aufgebaut hatten, bauten sich seither spürbar ab.

Ausschlaggebend für die Preisumkehr war die Stabilisierung des Transits durch die Straße von Hormus. Diese lebenswichtige maritime Verkehrsader wickelt rund ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) ab. Nach einem Anfang des Monats vereinbarten diplomatischen Waffenstillstand normalisierte sich der Schiffsverkehr rasch. Dies ermöglichte es verspäteten LNG-Schiffen wichtiger Exporteure wie Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, ihren Weg zu den internationalen Drehkreuzen fortzusetzen.

Der jüngste Tagesanstieg erfolgte allerdings, nachdem erneute Angriffe auf Schiffe in der vergangenen Woche den Verkehr in der Straße von Hormus vorübergehend verlangsamten. Die USA und der Iran kommen heute in Doha zu neuen Gesprächen zusammen, was die Lage weiter beobachtenswert macht.

Rohöl-Rückgang entlastet Energiemärkte

Gleichzeitig sind die weltweiten Rohöl-Benchmarks vollständig auf das Gleichgewichtsniveau von vor dem Krieg zurückgekehrt. Damit entfiel eine wichtige Quelle der sektorübergreifenden Unterstützung, welche die europäischen Strom- und Gasmärkte künstlich aufgebläht hatte. Für Verbraucher und Industrie in Europa ist diese Entwicklung grundsätzlich eine Entlastung.

Trotz des erheblichen Quartalsrückgangs weisen Händler jedoch auf ein begrenztes weiteres Abwärtspotenzial hin. Der physische Markt in Europa ist für die Jahreszeit ungewöhnlich eng. Die regionalen Gasspeicher liegen derzeit bei knapp unter 48 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Niveau von 56,2 Prozent, das im Vorjahreszeitraum verzeichnet wurde. Zudem liegt der aktuelle Füllstand deutlich unter dem historischen Fünfjahres-Durchschnitt der Einspeisung von 61 Prozent.

Für deutsche Energieverbraucher und Anleger bleibt die Lage damit zweigeteilt: Einerseits sorgen geopolitische Entspannung und sinkende Rohölpreise für Erleichterung an den Gasmärkten. Andererseits mahnen die unterdurchschnittlichen Speicherstände zur Vorsicht – insbesondere mit Blick auf die kommende Befüllungssaison vor dem nächsten Winter.

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