Europäische Gaspreise steigen über 2% trotz diplomatischer Hoffnungen
Lieferengpässe und schwache Speicherfüllstände treiben europäische Erdgaspreise wieder deutlich nach oben.

Die europäischen Erdgaspreise haben sich am Donnerstag kräftig erholt und damit die Verluste der vorangegangenen Sitzung weitgehend wettgemacht. Der niederländische Benchmark-Terminkontrakt für den Folgemonat – der sogenannte TTF-Future – stieg um 2,2 Prozent auf rund 54,50 Euro pro Megawattstunde. Der britische Großhandels-Gaskontrakt legte sogar um mehr als 2,4 Prozent auf 134,20 Pence pro Therm zu und erholte sich damit von einem Drei-Wochen-Tief aus der Vorsitzung.
Auslöser der Erholung waren grundlegende Versorgungsengpässe, die gegenüber vorsichtigen diplomatischen Signalen aus dem Nahen Osten wieder die Oberhand gewannen. Berichte über ein mögliches Interimsabkommen zwischen dem Iran und dem Oman über sichere Transitrouten hatten die Risikoprämien zunächst kurzzeitig sinken lassen. Doch der physische Flüssigerdgas-Verkehr (LNG) durch die Straße von Hormus bleibt weiterhin stark eingeschränkt.
Katar-Lieferungen verzögert, Angebotsgleichgewicht angespannt
Die anhaltenden Schifffahrtsverzögerungen behindern die Sommerlieferungen wichtiger Lieferanten aus dem Persischen Golf, allen voran Katar. Dies hält das globale Angebotsgleichgewicht unter Druck und erschwert Europas Bemühungen, sich rechtzeitig auf die kommende Winterheizperiode vorzubereiten. Für deutsche und europäische Verbraucher ist dies ein besorgniserregendes Signal, da die Versorgungssicherheit im Winter maßgeblich von ausreichend gefüllten Gasspeichern abhängt.
Die EU-Gasspeicher weisen derzeit einen Füllstand von rund 55 Prozent auf – deutlich unter dem historischen Fünfjahresdurchschnitt. Damit markiert die laufende Saison eines der langsamsten saisonalen Einspeichertempos der vergangenen Jahre. Das Defizit ist besonders brisant, da die Speicher idealerweise bis November auf ein ausreichendes Niveau gebracht werden müssen, um den Winterbedarf zu decken.
Hitzesommer verschärft das Speicherdefizit
Erschwerend kommt das ungewöhnlich heiße Sommerwetter in Mittel- und Südeuropa hinzu. Die hohen Temperaturen treiben die Nachfrage nach Kühlung in die Höhe und zwingen Versorgungsunternehmen dazu, Gas für die Stromerzeugung zu verbrennen, anstatt es in unterirdische Kavernen einzuspeichern. Dieser Effekt verstärkt das ohnehin bestehende Speicherdefizit zusätzlich.
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Zur AktienanalyseAuf dem globalen LNG-Markt sehen sich europäische Gashändler einem harten Wettbewerb mit asiatischen Importeuren um nicht vertraglich gebundene Spot-Ladungen ausgesetzt. Angesichts dieser Konkurrenz und der strukturellen Angebotsknappheit erwarten Marktteilnehmer, dass die Gaspreise eine starke strukturelle Untergrenze beibehalten werden. Eine nachhaltige Entspannung gilt erst dann als wahrscheinlich, wenn die Speicherstände deutliche Anzeichen einer Beschleunigung in Richtung der saisonalen Ziele vor November zeigen.
Die aktuelle Lage verdeutlicht die anhaltende Anfälligkeit der europäischen Energiemärkte. Trotz diplomatischer Bemühungen im Nahen Osten bleiben die physischen Lieferketten angespannt – mit spürbaren Folgen für die Energiepreise in Europa und damit auch für Haushalte und Unternehmen in Deutschland.


