Europäische Gaspreise geben nach Einmonatshoch wieder nach
Nach dramatischer geopolitischer Eskalation im Nahen Osten verarbeiten die Energiemärkte die Lage mit einer volatilen Atempause.

Die europäischen Großhandelspreise für Erdgas haben am Donnerstag nachgegeben und sich von ihren fast einmonatigen Höchstständen zurückgezogen. Der niederländische Benchmark-Kontrakt – der wichtigste Referenzpreis für den europäischen Gasmarkt – sank um 0,8 Prozent auf rund 48,50 Euro pro Megawattstunde. Zuvor war er am Mittwoch auf den höchsten Stand seit Mitte Juni geklettert.
Auch der britische Großhandelspreis für Gas stabilisierte sich bei 116,86 Pence pro Therm. Damit zog er sich von seinem eigenen Mehrwochenhoch zurück, das während des hektischen Ausverkaufs an den globalen Energiemärkten in der vorangegangenen Handelssitzung erreicht worden war. Die Märkte legen damit eine volatile Atempause ein – nach einer dramatischen geopolitischen Eskalation, die den fragilen Fahrplan für die Energiesicherheit Europas erneut erschüttert hat.
Trumps Abkehre vom Iran-Deal schockt die Energiemärkte
Auslöser der jüngsten Turbulenzen ist das abrupte Ende eines mühsam ausgehandelten Interimsabkommens zwischen Washington und Teheran. Die Absichtserklärung vom 17. Juni hatte Hoffnungen auf eine dauerhafte Wiedereröffnung der Straße von Hormus geweckt – einer der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch diese Meerenge fließen rund 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases (LNG).
US-Präsident Donald Trump erklärte das Abkommen am Mittwoch für „beendet". Daraufhin folgten prompt den zweiten Tag in Folge US-Luftangriffe, die darauf abzielten, den maritimen Engpass gegen iranische Vergeltungsmaßnahmen zu verteidigen. Für die europäischen Energiemärkte ist das schnelle Scheitern des Deals ein deutliches Warnsignal.
Europas strukturelle Abhängigkeit von globalem LNG
Für europäische Käufer verdeutlicht die Entwicklung einmal mehr die strukturelle Abhängigkeit der Region von globalem LNG. Seit dem Wegfall russischer Pipeline-Gasmengen infolge des Ukraine-Krieges ist Europa in hohem Maße auf Flüssigerdgas aus Katar, den USA und anderen Lieferländern angewiesen. Die Straße von Hormus ist dabei eine Schlüsselroute für katarische LNG-Tanker.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Gasspeicher auf dem gesamten Kontinent leicht unter dem saisonalen historischen Durchschnitt liegen. Die physische Bedrohung für LNG-Schiffe, die den Persischen Golf durchqueren, hat daher die unmittelbare Angst vor strukturellen Versorgungsunterbrechungen vor der winterlichen Einspeicherphase wieder aufleben lassen. Genau in dieser Phase müssen die europäischen Länder ihre Speicher für die kalte Jahreszeit auffüllen.
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Zur AktienanalyseFolgen für Inflation und Verbraucher in Europa
Die Auswirkungen der Achterbahnfahrt am Gasmarkt sind weit über die Bilanzen der Energieversorgungsunternehmen hinaus spürbar. Rohöl und Erdgas bewegen sich derzeit im Gleichschritt nach oben, was die breiteren makroökonomischen Sorgen in ganz Europa wieder aufleben lässt.
Der Anstieg der Großhandelspreise für Gas droht auf die Strom- und Heizkostenrechnungen von Industrie und Verbrauchern durchzuschlagen. Das stellt ein erhebliches Hindernis für die Europäische Zentralbank und andere Notenbanken dar, die versuchen, den Sieg über die Inflation zu verkünden. Steigende Energiepreise könnten die Inflationsbekämpfung erneut erschweren und die Spielräume der Geldpolitik einengen.


