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Europäische Berichtssaison: Goldman Sachs nennt drei entscheidende Faktoren

Goldman Sachs warnt vor hohen Erwartungen und identifiziert drei Schlüsselthemen für die bevorstehende europäische Berichtssaison.

Europäische Berichtssaison: Goldman Sachs nennt drei entscheidende Faktoren

Goldman Sachs hat drei spezifische Faktoren identifiziert, auf die Analysten zu Beginn der europäischen Berichtssaison in weniger als zwei Wochen besonders achten werden. Die US-Investmentbank warnt dabei, dass eine hohe Erwartungshaltung das Risiko heftigerer Marktreaktionen bei Enttäuschungen erhöht. Die Berichtssaison steht damit unter besonderer Beobachtung – sowohl für institutionelle als auch für private Anleger.

Konkret nennt Goldman Sachs drei Beobachtungsschwerpunkte: erstens, inwieweit sich der Energieschock entlang der Wertschöpfungskette überträgt; zweitens, die Gewinnentwicklung europäischer Unternehmen, die dem Wettbewerb aus China ausgesetzt sind; und drittens, die Diskussionen des Managements über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die damit verbundenen Kostensenkungen. Diese drei Themen dürften die Unternehmenskommentare der kommenden Wochen dominieren.

Zeitplan und Gewinnerwartungen

Mehr als 90 Prozent der Marktkapitalisierung des STOXX 600 werden bis Ende August ihre Ergebnisse vorgelegt haben. Die intensivste Phase der Berichtssaison fällt dabei auf die letzte Juliwoche. Der Markt schaut gespannt auf die Zahlen, denn der Konsens erwartet für die erste Jahreshälfte 2026 ein Gewinnwachstum von 11 Prozent im Jahresvergleich – allerdings primär getrieben durch den Rohstoffsektor. Ohne Berücksichtigung von Rohstoffen sinkt dieser Wert auf lediglich 6 Prozent.

Goldman Sachs selbst erwartet für den STOXX 600 ein Gewinnwachstum von 10 Prozent im Gesamtjahr 2026. Für Rohstoffproduzenten prognostiziert die Bank sogar ein Gewinnplus von mehr als 50 Prozent. Besonders auffällig: Die Gewinnprognosen für den Energiesektor wurden seit Beginn des zweiten Quartals um 28 Prozent nach oben korrigiert, was laut Goldman Sachs weitgehend auf die Margenstärke zurückzuführen ist.

Außerhalb des Rohstoffsektors blieben die aggregierten Gewinn- und Margenerwartungen seit Beginn des zweiten Quartals hingegen weitgehend stabil. Goldman Sachs erklärt dies mit der „Erwartung, dass die Auswirkungen des Iran-Konflikts relativ kurzlebig sein werden", räumt jedoch ein, dass dies „dazu beiträgt, die Messlatte für die kommende Saison höher zu legen".

Bewertungen und Risiken bei Kursrückschlägen

Steigende Bewertungen außerhalb des Energiesektors erhöhen laut Goldman Sachs das Risiko heftigerer Marktreaktionen bei enttäuschenden Ergebnissen. Banken und Technologieunternehmen waren im zweiten Quartal aufgrund einer Neubewertung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses die besten Performer. Investoren werden daher die langfristigen Wachstumsaussichten der Unternehmen besonders kritisch prüfen.

Das makroökonomische Umfeld bezeichnen die Goldman-Sachs-Analysten als „günstig" und „unterstützend". Sie verweisen auf einen robusten Current Activity Index sowie einen leichten Anstieg der Schätzungen für das BIP-Wachstum im zweiten Quartal in der gesamten Region. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe lag im zweiten Quartal im Durchschnitt bei 51,7, nach 50,6 im ersten Quartal – ein Wert über 50 signalisiert Wachstum.

Ein weiterer positiver Faktor für europäische Unternehmen: Der schwächere EUR/USD im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal „sollte ein moderater Rückenwind für die Saison" sein – insbesondere für Unternehmen mit Dollar- oder Auslandseinkünften. Ein schwächerer Euro macht Exporte wettbewerbsfähiger und steigert den Wert von Auslandsgewinnen in Euro gerechnet.

Öl und Gas: Fokus verschiebt sich

Im Bereich Öl und Gas erwarten die Goldman-Sachs-Analysten starke realisierte Brent-Preise, sehen jedoch eine Verschiebung des Anlegerfokus hin zum Ausblick auf die Investitionsausgaben. Im Gegensatz zur Situation im Jahr 2022 werden „höhere Gewinne wahrscheinlich nicht in wesentlich höheren Aktionärsrenditen resultieren", da erwartet wird, dass die Reinvestitionen von einem strukturell niedrigen Niveau aus wieder ansteigen. Anleger im Energiesektor sollten diesen Wandel in der Kapitalallokation der Unternehmen im Blick behalten.

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