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Europäische Anleiherenditen sinken vor EZB-Sitzung – Nahost-Risiken bleiben

Entspannung im Israel-Iran-Konflikt beruhigt Märkte, doch die Straße von Hormus bleibt geschlossen und die EZB-Entscheidung rückt näher.

Europäische Anleiherenditen sinken vor EZB-Sitzung – Nahost-Risiken bleiben

Die Renditen europäischer Staatsanleihen haben sich am Dienstag stabilisiert, nachdem die Spannungen zwischen Israel und dem Iran spürbar nachgelassen hatten. Beide Länder erklärten, den jüngsten Austausch von Angriffen eingestellt zu haben. Anleger richten ihren Blick nun auf die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die für Donnerstag erwartet wird.

Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung wächst, nachdem US-Präsident Donald Trump Bemühungen angeführt hat, einen größeren regionalen Konflikt zu verhindern. Dennoch bleibt die Unsicherheit an den Märkten hoch. Die Straße von Hormus – eine kritische Schifffahrtsroute für rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte – ist für den Tankerverkehr weitgehend geschlossen. Zudem hat Trump zugesagt, die amerikanische Blockade iranischer Häfen aufrechtzuerhalten.

Bundesanleihe-Renditen im Fokus

Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe, die als Benchmark für die 21 Mitglieder umfassende Eurozone gilt, blieb weitgehend unverändert bei 3,05 Prozent. Anleiherenditen entwickeln sich dabei stets entgegengesetzt zu den Kursen – steigen die Kurse, fallen die Renditen und umgekehrt. Besonders auffällig war die Bewegung am kurzen Ende der Zinskurve: Die Rendite der zinssensitiven zweijährigen deutschen Bundesanleihe sank um 7,4 Basispunkte, nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung den höchsten Stand seit dem 20. Mai erreicht hatte.

Der jüngste Ausverkauf europäischer Staatsanleihen hatte die strukturelle Anfälligkeit der Eurozone als bedeutender Nettoimporteur von Energie deutlich vor Augen geführt. Investoren befürchten zunehmend, dass die inflationären Folgen des Konflikts hartnäckiger ausfallen könnten als zunächst erwartet. Dies untergräbt frühere Erwartungen einer geldpolitischen Lockerung und zwingt die Märkte dazu, einen restriktiveren Kurs der EZB einzupreisen.

EZB-Entscheidung am Donnerstag erwartet

Im Mittelpunkt des Marktgeschehens steht nun die EZB-Sitzung am Donnerstag. Allgemein wird erwartet, dass die Währungshüter die erste Zinserhöhung seit einem Jahr beschließen werden. Die Zinsentscheidung selbst gilt an den Märkten als weitgehend eingepreist. Anleger werden daher besonders aufmerksam die Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie den aktualisierten Ausblick der Notenbank verfolgen – insbesondere im Hinblick darauf, wie die Verantwortlichen die inflationären Auswirkungen der höheren Energiepreise einschätzen.

Die Geldmärkte preisen derzeit eine zusätzliche Straffung von rund 68 Basispunkten bis zum Jahresende ein. Dies impliziert laut Reuters eine weitere Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt sowie eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent für einen weiteren Schritt danach.

Barclays: „Durchschauen" keine Option mehr

Die Analysten der britischen Großbank Barclays erwarten, dass die EZB die Zinsen in dieser Woche anheben wird, sich dabei aber gleichzeitig Flexibilität für künftige geldpolitische Entscheidungen bewahrt. „Das Ausmaß des aktuellen Energieschocks bedeutet, dass eine Strategie des ‚Durchschauens' nicht länger eine Option ist", erklärte die Bank in einer Mitteilung. Mit „Durchschauen" ist die geldpolitische Praxis gemeint, temporäre Inflationsschübe zu ignorieren und nicht mit Zinserhöhungen zu reagieren.

Barclays warnte zudem vor anhaltenden Aufwärtsrisiken für die Zinsen: „Wir sehen die Risiken weiterhin in Richtung einer strafferen Geldpolitik verschoben, sollten die Energiepreise länger auf hohem Niveau bleiben." Für deutsche Privatanleger bedeutet dies: Das Zinsumfeld in der Eurozone könnte sich als dauerhaft restriktiver erweisen als noch vor wenigen Wochen angenommen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Anleihe- und Aktienmärkte.

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