Europäische Aktien unter Druck: Inflation und britische Politikkrise belasten
Stärker als erwartete US-Preisdaten und politische Turbulenzen in Großbritannien drücken auf die europäischen Aktienmärkte.

Die europäischen Aktienmärkte steuern am Freitag auf deutliche Kursverluste zu. Auslöser sind erneut aufkeimende Inflationssorgen nach einer Reihe enttäuschender US-Preisdaten sowie politische Unsicherheiten rund um den britischen Premierminister Keir Starmer. Laut IG-Daten wird der Londoner FTSE 100 voraussichtlich 0,8% niedriger eröffnen, der deutsche DAX steht vor einem Minus von 1,4% und der französische CAC 40 vor einem Rückgang von 0,9%.
Die europäischen Märkte folgen damit den Verlusten der asiatischen Börsen. Besonders auffällig: Der südkoreanische Leitindex Kospi fiel am Freitag um mehr als 3% und zog sich damit von einem neuen Rekordhoch über 8.000 Punkten zurück. Der Small-Cap-Index Kosdaq verlor 2,61%. Japans Nikkei 225 verzeichnete ein Minus von 1,1%, der Topix gab 0,13% nach. Der Hang Seng Index in Hongkong rutschte um 0,89% ab, während der CSI 300 unverändert blieb. Indiens Nifty 50 legte als Ausreißer um 0,2% zu.
Inflationsdaten aus den USA belasten die Stimmung
Im Mittelpunkt der Anlegersorgen stehen die jüngsten US-Inflationsdaten. Am Mittwoch stieg der US-Erzeugerpreisindex (PPI) für April um 1,4% – der stärkste monatliche Anstieg seit März 2022. Damit wurden sowohl die Konsensschätzung der Ökonomen von 0,5% als auch der nach oben korrigierte Märzanstieg von 0,7% deutlich übertroffen. Auf Jahresbasis kletterte der Index um 6% – der stärkste Zuwachs seit Dezember 2022.
Bereits einen Tag zuvor hatte das Bureau of Labor Statistics gemeldet, dass der Verbraucherpreisindex (CPI) im April um 3,8% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Steigende Energiepreise und ein überraschender Sprung bei den Wohnkosten trieben die Inflation an. Die Kerninflation fiel mit 2,8% zwar moderater aus, liegt aber weiterhin deutlich über dem 2%-Ziel der US-Notenbank Federal Reserve. Beobachter erwarten daher, dass die Fed vorerst an ihrer abwartenden Haltung festhält – zumal die Auswirkungen des Iran-Krieges und der Zölle von Präsident Donald Trump noch nicht vollständig absehbar sind.
Politische Turbulenzen in Großbritannien belasten das Pfund
Parallel dazu sieht sich der britische Premierminister Keir Starmer einer potenziellen Herausforderung seiner Führungsrolle gegenüber. Sein innerparteilicher Rivale Andy Burnham, derzeit Bürgermeister von Manchester und der eher linksgerichtete Kandidat innerhalb der Labour Party, erhielt am Donnerstag einen möglichen Weg ins Parlament: Der Labour-Abgeordnete für Makerfield, Josh Simons, kündigte seinen Rücktritt an und macht damit den Weg für eine Nachwahl frei. Burnham ist aktuell kein Parlamentsmitglied – eine Voraussetzung für eine Kandidatur um die Parteiführung.
Ein Sieg Burnhams bei der Nachwahl ist jedoch keineswegs sicher, da er auf die erstarkte rechtsgerichtete Partei Reform UK treffen wird. Der Anleihemarkt reagiert dennoch sensibel: Investoren befürchten, dass ein weniger fiskalkonservativer Premierminister mehr Kreditaufnahme, höhere Staatsausgaben und eine steigende Staatsverschuldung mit sich bringen könnte. Das britische Pfund verzeichnete infolge der politischen Turbulenzen den fünften Rückgang in Folge und sank um 0,46% auf 1,3342 US-Dollar.
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Zur AktienanalyseUS-China-Gipfel im Fokus der Anleger
Unterdessen verfolgen die Märkte auch den laufenden US-China-Gipfel, der am Freitag endet. Beide Länder erörtern ihre Positionen zu Handel, Zöllen sowie den Themen Iran und Taiwan. Am Donnerstag einigten sich die USA und China darauf, dass die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für Energielieferungen – offen bleiben muss. Dies geht aus einem US-Bericht hervor, der von einem Beamten des Weißen Hauses geteilt wurde.
Für deutsche Anleger ist das Zusammenspiel dieser Faktoren besonders relevant: Ein anhaltend hohes US-Inflationsniveau könnte die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Fed dämpfen und damit auch den Druck auf europäische Märkte aufrechterhalten. Der DAX als exportorientierter Index reagiert zudem empfindlich auf geopolitische Spannungen und Unsicherheiten im transatlantischen Handel.


