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Europäische Aktien steigen trotz EZB-Zinserhöhung und Trump-Drohungen

Europas Börsen trotzen EZB-Zinserhöhung und geopolitischen Spannungen – STOXX 600 legt 0,7 Prozent zu.

Europäische Aktien steigen trotz EZB-Zinserhöhung und Trump-Drohungen

Die europäischen Aktienmärkte haben sich am Donnerstag trotz einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) und wachsender geopolitischer Unsicherheit im Plus gehalten. Der europaweite STOXX 600 notierte um 13:30 Uhr GMT mit einem Aufschlag von 0,7 Prozent, nachdem er in der vorangegangenen Sitzung auf dem niedrigsten Stand seit über drei Wochen geschlossen hatte. Damit zeigten sich die Märkte widerstandsfähiger als von manchen Beobachtern erwartet.

Londons FTSE 100 stieg um 0,9 Prozent, nachdem er am Mittwoch den tiefsten Stand seit Ende März erreicht hatte. Der deutsche DAX notierte dagegen nahezu unverändert, während der italienische FTSE MIB um 1,3 Prozent zulegte und sich damit Rekordhöhen näherte.

EZB hebt Leitzins auf 2,25 Prozent an

Die Europäische Zentralbank hob ihren Leitzins für Einlagen um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent an. Dies markiert die erste Erhöhung seit fast drei Jahren und ist die Antwort der Währungshüter auf den anhaltenden Inflationsdruck, der durch geopolitische Spannungen und erhöhte Energiekosten verschärft wird. Die Inflation im Euroraum liegt mit über 3 Prozent weiterhin deutlich über dem Zielwert der EZB, während das Wirtschaftswachstum gleichzeitig stagniert.

Die EZB revidierte zudem ihre Inflationsprognosen nach oben. Sie rechnet nun mit einem Preiswachstum von 3 Prozent im laufenden Jahr, das sich bis 2027 auf 2,3 Prozent abschwächen und 2028 schließlich das Ziel von 2 Prozent erreichen soll. Das Ausbleiben einer drastischen negativen Marktreaktion spiegelte wider, inwieweit die Zinserhöhung bereits im Vorfeld signalisiert worden war.

Jack Allen-Reynolds, stellvertretender Chefökonom für die Eurozone bei Capital Economics, kommentierte: „Die heutige Zinserhöhung war im Vorfeld sehr deutlich angekündigt worden. In der Pressemitteilung heißt es zudem, dass weiterhin Abwärtsrisiken für das Wachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation bestehen." Die schwindende Aussicht auf Zinssenkungen zum Jahresende droht jedoch, die Aktienbewertungen zu dämpfen, und setzt konjunktursensible Sektoren einem anhaltenden Druck auf die Rentabilität aus.

Trump-Drohungen gegen Iran belasten die Stimmung

Parallel zur EZB-Entscheidung reagierten die Anleger auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, wonach die USA den Iran „heute Abend sehr hart" treffen und in „nicht allzu ferner Zukunft" die strategisch wichtige Insel Kharg ins Visier nehmen würden. Die erneute geopolitische Unsicherheit folgt auf den gegenseitigen Austausch von Luftangriffen zwischen den USA und dem Iran an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Trump warnte, dass weitere militärische Maßnahmen folgen könnten, sofern Teheran nicht sofort einem Friedensabkommen zustimme.

Die US-Futures gaben infolge der Spannungen nach, während der Dollar um 0,2 Prozent zulegte und der Ölpreis leicht anstieg. Für europäische Anleger sind die Entwicklungen im Nahen Osten besonders relevant, da steigende Energiepreise den Inflationsdruck in der Eurozone weiter verschärfen könnten.

Hugo Boss springt nach Übernahmeangebot um 10 Prozent

Unter den Einzelwerten stach Hugo Boss mit einem Kurssprung von rund 10 Prozent hervor. Auslöser war ein Übernahmeangebot der britischen Frasers Group in Höhe von 2 Milliarden Euro für die deutsche Modemarke. Die Aktien der Frasers Group legten ihrerseits um 2,7 Prozent zu.

Europäische Technologiewerte blieben dagegen hinter dem breiteren Markt zurück. Hintergrund waren aggressive Investitionspläne des US-Konzerns Oracle, die Anleger dazu veranlassten, die Bewertungen im gesamten Sektor neu zu bewerten. SAP und Capgemini verloren jeweils 5,2 Prozent. Wizz Air hingegen stieg um rund 4,5 Prozent, nachdem die Fluggesellschaft einen Jahresgewinn über den Erwartungen gemeldet hatte.

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