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Europäische Aktien steigen: Ölpreisrückgang entlastet Technologiesektor

Fallende Rohölpreise dämpfen Inflationssorgen und lassen EZB-Zinserwartungen sinken – europäische Leitindizes legen deutlich zu.

Europäische Aktien steigen: Ölpreisrückgang entlastet Technologiesektor

Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag erstmals in dieser Woche fester geschlossen. Ausschlaggebend war ein deutlicher Rückgang der Rohölpreise auf ein Niveau, das zuletzt vor dem jüngsten Nahost-Konflikt erreicht worden war. Die sinkenden Energiekosten linderten die Inflationssorgen der Anleger spürbar.

Die Sorte Brent verbilligte sich um 0,69 Prozent auf 73,36 US-Dollar, während WTI um 0,92 Prozent auf 69,69 US-Dollar nachgab und damit nahe den Tiefstständen seit Kriegsbeginn notierte. Dieser Rückgang veranlasste die Geldmärkte dazu, ihre Wetten auf aggressive Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank zurückzuschrauben.

Der paneuropäische STOXX 600 legte um 0,9 Prozent zu, während der deutsche DAX mit einem Plus von 1,1 Prozent besonders stark abschnitt. Der französische CAC 40 verzeichnete ein Plus von 0,68 Prozent, der italienische FTSE MIB stieg um 0,75 Prozent. Der Londoner FTSE 100 notierte gegen 12:37 Uhr GMT um 0,84 Prozent höher.

EZB-Kurs unter Beobachtung

Die aktuelle Marktbewegung folgt auf eine Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte Anfang des Monats, die zur Eindämmung der energiegetriebenen Inflation beschlossen worden war. Der rasche Rückgang der Rohölpreise veranlasst die Geldmärkte nun dazu, den weiteren geldpolitischen Kurs der Zentralbank neu zu bewerten.

Besonders profitieren davon zinssensitive Sektoren wie Technologie und Immobilien. Diese hatten zuletzt erheblich unter dem Gegenwind gestiegener Zinserwartungen gelitten. Sinkende Leitzinserwartungen wirken für solche Sektoren wie ein Befreiungsschlag, da künftige Unternehmensgewinne bei niedrigeren Zinsen höher bewertet werden.

Europas Leitindizes sind bei der rekordverdächtigen globalen Aktienrallye der vergangenen Monate weitgehend außen vor geblieben. Ein Grund dafür ist der traditionelle Branchenmix der sogenannten „Old Economy", dem die schwergewichtigen Treiber aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Technologie fehlen – jene Motoren, die die Wall Street und asiatische Märkte auf historische Höchststände getrieben haben.

Technologiewerte als Gewinner

Einige europäische Technologiewerte profitierten besonders stark von der veränderten Stimmung. Infineon legte rund 5 Prozent zu, STMicroelectronics gewann etwa 4 Prozent, und der Halbleitermaschinenhersteller ASML stieg um 3,5 Prozent. Zuvor hatten starke Quartalszahlen des US-Chipherstellers Micron Technology die Nerven der Branche angesichts ambitionierter Bewertungen beruhigt.

Gleichzeitig wirkte der Verfall der Rohölpreise als erhebliche Belastung für die schwergewichtigen Rohstoffsektoren des STOXX 600. Der paneuropäische Index weist eine starke Konzentration von Energieriesen auf, deren Aktienkurse sich im Gleichschritt mit dem Ölpreis bewegen. Ein anhaltender Ausverkauf bei Öl könnte den Abwärtsdruck auf diese Index-Schwergewichte weiter erhöhen und das Aufwärtspotenzial des breiteren Marktes begrenzen – selbst wenn andere Sektoren die Entlastung begrüßen.

Für deutsche Privatanleger bleibt die Lage damit zweischneidig: Während der DAX von der Technologie- und Zinserleichterung profitiert, könnten anhaltend niedrige Ölpreise die Energiekomponenten europäischer Portfolios belasten. Die weitere Entwicklung der Rohstoffmärkte und die Reaktion der EZB dürften in den kommenden Wochen richtungsweisend bleiben.

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