Europäische Aktien erholen sich dank überraschend schwacher US-Inflation
Abkühlende US-Verbraucherpreise und geopolitische Spannungen im Nahen Osten bestimmten den europäischen Handel am Dienstag.

Die europäischen Aktienmärkte haben am Dienstagnachmittag einen Großteil ihrer frühen Verluste wettgemacht. Ausschlaggebend war eine stärker als erwartet ausgefallene Abschwächung der US-Verbraucherinflation, die den globalen Märkten spürbare Erleichterung verschaffte. Der paneuropäische STOXX 600 Index, der im frühen Handel noch um 0,6 % nachgegeben hatte, notierte gegen 12:51 Uhr GMT nur noch 0,1 % im Minus.
Der Auslöser für die morgendlichen Verluste waren Berichte über direkten Raketenbeschuss zwischen den USA und dem Iran. Der Iran feuerte ballistische Raketen auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Jordanien ab, was direkte Vergeltungsschläge aus Washington auslöste. Die Rohölpreise hielten sich infolgedessen nahe Vier-Wochen-Hochs, da der Kampf um die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus anhält.
US-Inflationsdaten überraschen positiv
Die entscheidende Wende brachten die Daten des Bureau of Labor Statistics des US-Arbeitsministeriums. Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) stieg in den 12 Monaten bis Juni um 3,5 % – eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem Anstieg von 4,2 % im Mai, dem stärksten Jahresvergleichswert seit April 2023. Auf Monatsbasis sank der CPI im Juni um 0,4 %, nachdem er im Mai noch um 0,5 % gestiegen war.
Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der Märkte deutlich. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Gesamtwert von 3,8 % im Jahresvergleich und einen monatlichen Rückgang von lediglich 0,1 % prognostiziert. Die positive Überraschung löste sofortige Leerverkaufseindeckungen – sogenanntes Short-Covering – in zinssensitiven europäischen Wachstumssektoren aus und leitete eine breite Erholung der regionalen Indizes ein.
Trotz der erfreulichen Daten mahnen Marktanalysten zur Vorsicht. „Auch wenn die Inflation auf Jahresbasis im Mai ihren Höhepunkt erreicht hat, liegen die Preise auf absoluter Basis immer noch weit über dem Ziel der Fed, was eine weiterhin restriktive Ausrichtung der Geldpolitik erforderlich machen wird", so die Analysten von Vital Knowledge. Eine zusätzliche Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve in diesem Jahr sei damit nicht vollständig vom Tisch.
Unterschiedliche Entwicklung in den europäischen Märkten
Die Erholung verlief nicht gleichmäßig über alle europäischen Börsenplätze. Der britische FTSE 100 kämpfte sich wieder auf ein nahezu unverändertes Niveau zurück. Paris und Frankfurt blieben hingegen Nachzügler, da schwere Automobil- und Industriewerte die Erholungsbemühungen belasteten.
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Zur AktienanalyseAuf Unternehmensebene sorgten mehrere Einzelwerte für Aufsehen. Ericsson verlor rund 8 %, nachdem der Quartalsumsatz des Telekommunikationsausrüsters hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Evotec brach nach Ergebnissen und Ausblick sogar um 25 % ein. Auf der Gewinnerseite sprang Hapag-Lloyd um 6,5 % nach oben, nachdem das Hamburger Containerreederei-Unternehmen seine Jahresprognose angehoben hatte. Mycronic legte nach einer ebenfalls angehobenen Jahresprognose um 13,5 % zu.
Zusätzlich zum makroökonomischen Fokus beginnt der neu ernannte Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, eine zweitägige Anhörung vor dem US-Kongress. Parallel dazu gewinnt die Berichtssaison für das zweite Quartal an Fahrt: Große US-Banken haben ihre Finanzergebnisse vorgelegt, die als Gradmesser für die Widerstandsfähigkeit der globalen Unternehmen unter restriktiver Geldpolitik gelten. Die Kombination aus Inflationsdaten, Geopolitik und Unternehmensberichten dürfte die Märkte in den kommenden Tagen weiter in Atem halten.

