ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Europa vor der Führungsrolle in der Weltwirtschaft

Warum der Euro den Dollar ablösen könnte – und was dafür noch fehlt

 Europa vor der Führungsrolle in der Weltwirtschaft

Der globale Einfluss der Vereinigten Staaten auf das internationale Währungs- und Finanzsystem könnte in eine kritische Phase eintreten. Durch politische Entscheidungen wie Handelskriege und hohe Zölle hat die Regierung unter Donald Trump das Vertrauen in den Dollar als Leitwährung erschüttert. In der Folge zeigen sich Entwicklungen, die eher mit Schwellenländern assoziiert werden: steigende Renditen für Staatsanleihen, sinkende Aktienkurse und ein nachgebender Wechselkurs. Diese Dynamik deutet darauf hin, dass die USA ihrer Rolle als weltwirtschaftliche Führungsmacht nicht mehr vollumfänglich gerecht werden.

Die Theorie des Ökonomen Charles P. Kindleberger legt nahe, dass ein stabiles internationales System auf der Führungsrolle einer dominanten Macht basiert. Im 19. Jahrhundert übernahm Großbritannien diese Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das Empire jedoch zurück, ohne dass die USA sofort die Lücke füllen konnten. Diese Phase der Unsicherheit endete erst mit dem Bretton-Woods-Abkommen 1944, das den USA die ökonomische und finanzielle Vorherrschaft zusprach. Heute scheint sich erneut eine solche „Kindleberger-Lücke“ aufzutun. Die Vereinigten Staaten ziehen sich zusehends aus ihrer hegemonialen Verantwortung zurück. Ein neuer globaler Anführer ist jedoch nicht in Sicht. China ist noch nicht in die internationalen Finanzmärkte integriert, und die Europäische Union gilt als noch nicht bereit für diese Rolle.

Gleichwohl könnte die EU die Gelegenheit nutzen, die internationale Stellung des Euro zu stärken. Die Voraussetzungen dafür sind in vielerlei Hinsicht gegeben: stabile Institutionen, eine unabhängige Zentralbank, Rechtsstaatlichkeit und eine strategische Rolle beim Klimaschutz. Um jedoch global handlungsfähig zu werden, muss die Eurozone ihre wirtschaftliche und finanzielle Integration vertiefen. Dazu gehören der Ausbau des Binnenmarktes, eine stärkere Banken- und Investitionsunion sowie die Emission gemeinsamer Schuldtitel, etwa zur Finanzierung verteidigungspolitischer Maßnahmen.

Auch die Digitalisierung des Zahlungssystems ist ein entscheidender Faktor. Eine digitale Zentralbankwährung könnte die Souveränität Europas im Zahlungsverkehr stärken und die Abhängigkeit von US-Infrastrukturen verringern. Voraussetzung dafür ist ein robustes System mit klarer Funktion der Europäischen Zentralbank als Kreditgeberin letzter Instanz. Sollte sich die USA tatsächlich wirtschaftlich zurückziehen, wird Europa gezwungen sein, rasch und entschlossen zu handeln.

EuroUSDWährungenGeldpolitik

Disclaimer