Europa droht Einbahnstraße im Handel mit China
Firmen klagen über Handelsdefizit, Lieferprobleme und ungleiche Marktchancen

Europa könnte beim Handel mit China zunehmend ins Hintertreffen geraten. Die EU-Handelskammer warnt vor einer Entwicklung, die zu einer einseitigen Abhängigkeit führen könnte. Während die Volksrepublik ihre Exporte unvermindert ausweitet, bleibt die Nachfrage nach europäischen Waren in China schwach. Präsident Jens Eskelund sprach in Peking von einer drohenden „Einbahnstraße“ im Handel, sollte sich das Ungleichgewicht weiter vergrößern.
China war im vergangenen Jahr der zweitwichtigste Handelspartner der Europäischen Union. Betrachtet man die Handelsströme im Detail, zeigt sich jedoch ein deutliches Gefälle. Bei den EU-Importen rangierte China mit einem Anteil von 21 Prozent an erster Stelle, bei den Exporten hingegen lediglich auf Rang drei mit acht Prozent. Das Handelsdefizit der EU belief sich dadurch auf mehr als 300 Milliarden Euro. Den Einfuhren aus China im Wert von 517,8 Milliarden Euro standen lediglich Ausfuhren von 213,3 Milliarden Euro gegenüber.
Trotz weltweiter Handelskonflikte konnte China zuletzt seine Außenhandelszahlen steigern. Nach Angaben der Zollbehörde in Peking legten die Exporte im August gemessen in US-Dollar im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent zu. Damit blieben sie jedoch leicht hinter den Erwartungen zurück, die bei 5,5 Prozent gelegen hatten. Auf den europäischen Märkten finden inzwischen auch technisch anspruchsvolle Produkte aus China wachsenden Absatz, darunter Maschinen und Industrieausrüstung.
Die EU-Handelskammer, die mehr als 1.600 europäische Unternehmen in China vertritt, fordert in einem Positionspapier deutliche Veränderungen. Viele Firmen seien mit erheblichen Störungen ihrer Lieferketten konfrontiert, insbesondere durch Exportkontrollen bei seltenen Erden. Diese Rohstoffe sind für zahlreiche Industriezweige unentbehrlich, weshalb Einschränkungen europäische Produzenten empfindlich treffen. Vertreter der Kammer haben in mehr als 140 Fällen bei den chinesischen Behörden vorstellig werden müssen, doch nur in wenigen Situationen habe sich eine Lösung ergeben.
Die Handelskammer mahnt, dass Chinas Überschüsse auch internationale Reaktionen hervorrufen könnten. Eskelund verwies auf die USA, wo ein massives Ungleichgewicht eine Reaktion ausgelöst und in einen eskalierten Zollstreit mündete. Dies habe für in China tätige Firmen eine bisher nicht gekannte Unsicherheit geschaffen.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus wächst die Sorge über Chinas wirtschaftliche Entwicklung. Die Überproduktion in einzelnen Branchen, etwa bei Elektroautos oder Lieferdiensten, führt zu einem heftigen Verdrängungswettbewerb. Gleichzeitig belasten hohe Schulden der Lokalregierungen und ein geringer Fokus auf Dienstleistungen die wirtschaftliche Dynamik. Die EU-Kammer fordert daher mehr Marktmechanismen und weniger staatliche Bevorzugung großer Konzerne. Besonders im Gesundheitswesen könne mehr Wettbewerb zu besseren Angeboten und technologischen Fortschritten führen.


