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Europa braucht dringend eine gemeinsame KI-Strategie

EU-Ratspräsident Costa plant einen KI-Gipfel im Herbst – Europa muss endlich aufholen und handeln.

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Europa braucht dringend eine gemeinsame KI-Strategie

EU-Ratspräsident António Costa plant für diesen Herbst eine Diskussion der europäischen Staats- und Regierungschefs über Künstliche Intelligenz. Während die USA und China KI längst als strategisches Machtinstrument einsetzen, hat die EU noch nicht einmal einen gemeinsamen politischen Kurs festgelegt. Für Europa ist das eine gefährliche Lücke – wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch.

Die Abhängigkeit von ausländischen KI-Plattformen und -Werkzeugen ist dabei mehr als ein kommerzielles Problem. Sie bedeutet, dass Entscheidungen ausländischer Regierungen unverhältnismäßige Auswirkungen auf die nationale Sicherheit Europas haben können. Jede Diskussion über digitale Souveränität oder strategische Autonomie ist damit faktisch eine Diskussion über KI.

Sicherheitsrisiken durch KI-Abhängigkeit

Besonders deutlich wird dies am Beispiel der USA: Berichten zufolge wurde das neueste KI-Modell von Anthropic von US-Geheimdiensten genutzt, während der Zugang für europäische Verbündete eingeschränkt war. Die Trump-Administration betrachtet KI als Quelle hegemonialer globaler Ambitionen und unternimmt zunehmend Schritte, um US-Vorteile bei KI-Kapazität, Zugang und Handlungsfähigkeit zu stärken.

Auf dem jüngsten NATO-Gipfel in Ankara sahen sich die europäischen Staats- und Regierungschefs mit der Realität eines unzuverlässigen und möglicherweise gegnerischen Amerikas konfrontiert. Dies zwingt die EU, eigene Militär- und Verteidigungskapazitäten zu entwickeln – Cybersicherheit ist dabei integraler Bestandteil der Resilienz. Technologische Entwicklungen machen zudem deutlich, dass eine Trennung wirtschaftlicher Entscheidungen von Sicherheitszielen schlicht unmöglich ist.

Um potenzielle Bedrohungen durch Cyber-Vorfälle oder die Ausnutzung von Abhängigkeiten zu bewältigen, müssen die EU-Staaten Strukturen schaffen, um Notfallreaktionen zu koordinieren. Spezielle Task Forces haben in vergangenen Krisen – darunter die Corona-Pandemie und die Finanzkrise – für Dringlichkeit und Fokus gesorgt. Auch im Bereich KI wären sie gerechtfertigt.

Was Europa konkret tun muss

Ein klares KI-Politikpaket sollte laut Analyse folgende Elemente umfassen:

  • Einstellung von KI-Talenten in politische Positionen
  • Entwicklung nationaler KI-Sicherheitsinstitute
  • Ein umfassendes Talentprogramm, um KI-Experten in Europa zu fördern und zurückzugewinnen
  • Anreize für Investitionen in souveräne Kapazitäten wie Rechenleistung
  • Widerstandsfähigere KI-Infrastruktur und klare Prioritäten bei nationalen Kapazitäten

Auf dem Kontinent gibt es bereits erhebliche Energie und Interesse an einer stärkeren EU-Führung im Bereich KI. Nationale KI-Strategien wurden angekündigt und verabschiedet, einige Universitäten entkoppeln sich von Nicht-EU-Technologieanbietern, und Geheimdienste bevorzugen zunehmend inländische Systeme. Diese Bottom-up-Entwicklungen müssen nun mit einer EU-weiten Vision verknüpft werden.

Europa als Alternative zum Silicon-Valley-Modell

Europa hat die Chance, KI anders zu gestalten als das extraktive Modell des Silicon Valley, das Menschen auf Konsumenten und Gesellschaften auf Märkte reduziert. Gleichzeitig bleibt Europa weit entfernt vom chinesischen Modell staatlich gelenkter Innovation. Doch prinzipientreu zu sein und auf dem Papier recht zu haben, reicht in einer daten-, kapital- und rechenleistungsgetriebenen Welt nicht aus.

Der Herbst-Gipfel muss daher mit einem ernsthaften politischen Bekenntnis und einer greifbaren Strategie enden. Diese sollte die Hebelwirkung des europäischen Binnenmarktes bündeln und konkrete Ergebnisse liefern. Die EU kann es sich schlicht nicht leisten, diese Gelegenheit zu vergeuden und den Gipfel lediglich mit Lernen und Brainstorming zu verbringen.

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