Europa baut weniger Windräder als geplant
Verband warnt vor Problemen bei Genehmigungen, Netzen und Wettbewerbsfähigkeit

Europa baut in diesem Jahr deutlich weniger neue Windräder als ursprünglich angenommen. Nach Angaben des Branchenverbands WindEurope bleibt der Ausbau der Windenergieanlagen hinter den Erwartungen zurück. Im ersten Halbjahr 2025 wurden europaweit lediglich Windkraftanlagen mit einer Leistung von 6,8 Gigawatt errichtet. Innerhalb der EU-27 lag die Zahl bei 5,3 Gigawatt. Das sei weniger als prognostiziert und reiche nicht aus, um die Energie- und Klimaziele der Europäischen Union für das Jahr 2030 zu erfüllen, betonte der Verband.
Ursprünglich war WindEurope davon ausgegangen, dass 2025 neue Windräder mit einer Gesamtkapazität von 22,5 Gigawatt installiert würden. Inzwischen wurde die Prognose auf 19 Gigawatt gesenkt. Für die EU allein ging man von 17 Gigawatt aus, nun liegt die Erwartung nur noch bei 14,5 Gigawatt. Die geringeren Zahlen hätten nach Einschätzung des Verbands Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents, da die europäische Industrie auf preisgünstigen Strom angewiesen sei, um im Vergleich zu China und den USA mithalten zu können.
Besonders auffällig ist die Entwicklung in Deutschland. Dort entstanden im ersten Halbjahr 2025 neue Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 2,2 Gigawatt. Damit entfiel fast die Hälfte der in der EU neu errichteten Windenergieleistung auf Deutschland. Laut WindEurope liegt dies daran, dass die Bundesrepublik als erstes Land die neuen Genehmigungsvorschriften der EU vollständig umgesetzt hat. Abgesehen von Deutschland unternehmen die meisten europäischen Staaten nach Ansicht des Verbands nicht genug, um die Windkraft weiter auszubauen.
Die Ursachen für die schwächere Entwicklung in anderen Ländern sind vielfältig. In keinem der 26 weiteren EU-Mitgliedstaaten würden neue Windparks innerhalb der vorgesehenen Frist von 24 Monaten genehmigt. Vielmehr verschlechtere sich die Praxis in einigen Ländern sogar. Hinzu komme, dass die Einführung sogenannter Förderzonen für Erneuerbare Energien in manchen Staaten eher zu Verunsicherung geführt habe, anstatt den Prozess zu beschleunigen.
Zusätzlich zu den Genehmigungsproblemen hemmen strukturelle Faktoren den Ausbau. Dazu gehören Engpässe im europäischen Stromnetz, eine zu geringe Elektrifizierung in verschiedenen Sektoren sowie Schwierigkeiten bei der Offshore-Windkraft. Hier seien fehlende Hafen- und Netzkapazitäten ebenso ein Hindernis wie der Mangel an geeigneten Schiffen.
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Zur AktienanalyseWindEurope rechnet langfristig damit, dass die installierte Windkraftkapazität in der EU bis 2030 auf 344 Gigawatt anwächst. Damit würde Windenergie einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Anteil der erneuerbaren Energien auf 42,5 Prozent des europäischen Gesamtenergieverbrauchs zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es jedoch erforderlich, die Kapazität der Windkraft auf 425 Gigawatt auszubauen. Dafür müsse die Politik verstärkt auf die Elektrifizierung der Industrie, den Ausbau und die Modernisierung der Netze, Investitionen in die Hafeninfrastruktur sowie die Umsetzung der EU-Vorschriften setzen.

