EU zwischen US-Gas und chinesischer Solartechnik
Handelsabkommen verschärft Abhängigkeiten – eigene Energieversorgung bleibt lückenhaft und anfällig

Die Europäische Union hat sich verpflichtet, bis 2028 Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden Dollar aus den USA zu importieren – ein ambitioniertes Ziel, das die Abhängigkeit von amerikanischem Flüssiggas (LNG) weiter verstärken dürfte. Bereits 2024 entfielen 50 Prozent der EU-LNG-Importe auf die Vereinigten Staaten, hinzu kamen 17 Prozent der Öl- und 35 Prozent der Kohleeinfuhren. Der neue Handelsdeal mit Washington sieht vor, diese Zahlen drastisch zu steigern: auf jährlich 250 Milliarden Dollar für Öl, Gas und Kohle.
Doch Marktbeobachter sehen das Vorhaben mit Skepsis. Die geplanten Mengen gelten angesichts der Marktdynamik als unrealistisch. Energieimporte werden in der EU nicht zentral gesteuert, sondern vom freien Markt bestimmt. Zudem stellen sich grundsätzliche Fragen zur Energiesicherheit, sollte sich die EU noch stärker auf eine einzige Quelle – in diesem Fall die USA – verlassen. Schon jetzt ist Europa durch den Wegfall russischer Pipeline-Gaslieferungen nach dem Angriff auf die Ukraine massiv auf LNG-Importe angewiesen.
Zwar gilt eine Partnerschaft mit einer westlichen Demokratie als politisch weniger riskant als mit einem autoritären Staat, ganz ohne Gefahren ist sie jedoch nicht. Naturkatastrophen wie Hurrikans oder Hitzewellen könnten die Versorgung aus dem US-Golfküstenraum empfindlich stören. Hinzu kommt die Gefahr steigender Preise durch wachsende Inlandsnachfrage in den USA, etwa durch den Energiehunger der Künstlichen Intelligenz. Laut Prognosen der U.S. Energy Information Administration könnten sich die Preise für Erdgas bis 2026 verdoppeln.
Parallel dazu treibt die EU den Umbau ihres Energiesystems in Richtung erneuerbare Energien voran. Für 2025 wird ein Investitionsvolumen von 494 Milliarden Dollar erwartet. Bereits 2024 erzeugten Solar- und Windkraft etwa die Hälfte des europäischen Stroms, rund ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs wurde aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Doch auch hier lauert eine neue Abhängigkeit: China dominiert die Lieferkette für grüne Technologien.
Etwa 80 Prozent der in der EU verwendeten Solarmodule stammen aus China – preisgünstig, aber mit langfristigen Risiken verbunden. Europa verfügt zwar über eine starke heimische Windkraftindustrie und eigene Batteriehersteller, doch bei kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel bleibt China führend. Diese Metalle sind unerlässlich für Speicherlösungen und Magneten in Windturbinen.
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Zur AktienanalyseDie strategische Lage der EU bleibt damit angespannt. Zwischen amerikanischem Gas und chinesischer Solartechnik fehlt eine robuste, eigenständige Energieinfrastruktur. Eine Diversifizierung der Bezugsquellen ist notwendig – allerdings ein Ziel, das sich nur mit großem zeitlichen und wirtschaftlichen Aufwand erreichen lässt.

