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EU will Gespräche mit USA über Cyber-KI-Modelle intensivieren

Anthropics mächtiges KI-Modell Mythos sorgt für Spannungen zwischen EU, USA und KI-Laboren über Zugang und Sicherheit.

EU will Gespräche mit USA über Cyber-KI-Modelle intensivieren

Die Europäische Union will ihre Gespräche mit der US-Regierung über hochentwickelte KI-Modelle „intensivieren". Das erklärte ein Kommissionsvertreter gegenüber dem Nachrichtensender CNBC. Im Fokus stehen dabei insbesondere Modelle mit sogenannten „Cyber-Fähigkeiten" – also KI-Systeme, die potenziell für Cyberangriffe genutzt werden könnten.

Auslöser der Debatte ist Anthropics leistungsstarkes KI-Modell Mythos, das im April angekündigt wurde. Die Ankündigung versetzte Regierungen und Unternehmen weltweit in Aufregung und löste eine Welle der Besorgnis über KI-gestützte Cyberangriffe aus. Seitdem steht die Frage im Raum, wer Zugang zu solchen Modellen erhalten soll – und unter welchen Bedingungen.

Weißes Haus bremst Zugang für Nicht-US-Regierungen

Anthropic stellte Mythos zunächst einer ausgewählten Gruppe von Unternehmen und Organisationen im Rahmen einer Initiative namens „Project Glasswing" als Vorschau zur Verfügung. Das Wall Street Journal berichtete im April, dass das Weiße Haus den Plan von Anthropic ablehnte, den Zugang zu Mythos auszuweiten. Konkret hatte Anthropic vorgeschlagen, etwa 70 weiteren Unternehmen und Organisationen die Nutzung des Modells zu ermöglichen – Regierungsvertreter lehnten dies aus Sicherheitsgründen ab.

Für die EU ist die Situation besonders heikel: Das KI-Labor hat weder dem EU-KI-Büro noch anderen Regierungsorganisationen außerhalb der USA – mit Ausnahme des britischen AI Security Institute – Vorabzugang zur Überprüfung gewährt. Während der Diskussionen über einen solchen Zugang teilte Anthropic der Kommission mit, dass der Block zunächst die US-Regierung um Erlaubnis bitten müsse, so eine mit den Gesprächen vertraute Person gegenüber CNBC. Die Quelle bat um Anonymität, da sie nicht befugt ist, öffentlich über die vertraulichen Diskussionen zu sprechen.

Laut derselben Quelle habe Anthropic der Kommission mitgeteilt, dass das Weiße Haus nicht ausdrücklich gegen eine Weitergabe von Mythos an die EU sei – die US-Regierung sei jedoch generell dagegen, dass das Unternehmen das Modell mit Nicht-US-Regierungen teile.

Anthropic: Modelle der „Mythos-Klasse" kommen in wenigen Wochen

Trotz der politischen Spannungen gab Anthropic am Donnerstag bekannt, dass das Unternehmen erwartet, in den kommenden Wochen Modelle der „Mythos-Klasse" für Kunden bereitzustellen. Das Unternehmen betonte, dass Modelle mit der Leistungsfähigkeit von Mythos strenge Cyber-Sicherheitsvorkehrungen erfordern, bevor sie allgemein freigegeben werden können. „Wir machen zügige Fortschritte bei der Entwicklung dieser Schutzmaßnahmen und gehen davon aus, dass wir unseren Kunden in den kommenden Wochen Modelle der Mythos-Klasse zur Verfügung stellen können", erklärte das Unternehmen.

Anthropic-CEO Dario Amodei hatte Anfang des Monats eindringlich gewarnt: Es bestehe ein Zeitfenster von sechs bis zwölf Monaten, um Zehntausende von Software-Schwachstellen zu beheben, die durch das Mythos-Modell aufgedeckt wurden – und zwar bevor die chinesische KI aufhole. Diese Aussage unterstreicht den enormen Zeitdruck, unter dem sowohl Unternehmen als auch Regierungen agieren.

USA balancieren zwischen Innovation und Sicherheit

Das Weiße Haus verwies CNBC auf Äußerungen von Finanzminister Scott Bessent vom Donnerstag. Bessent hatte erklärt, dass die US-Regierung „sehr eng" mit KI-Laboren zusammenarbeite. Die USA sind bestrebt, ihren Vorsprung gegenüber China im globalen KI-Wettlauf zu wahren – ein Ziel, das die Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit offenbar begrenzt.

Für deutsche und europäische Anleger sowie Unternehmen ist die Entwicklung bedeutsam: Die Frage, ob und wie europäische Institutionen Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Modellen erhalten, wird zunehmend zu einem geopolitischen Thema. Die EU steht dabei vor der Herausforderung, einerseits die Sicherheit zu gewährleisten und andererseits nicht technologisch abgehängt zu werden.

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