EU setzt auf Brasilien für kritische Rohstoffe und Seltene Erden
Die EU bietet Brasilien eine strategische Partnerschaft an, die lokale Wertschöpfung bei kritischen Mineralien fördern soll.

RIO DE JANEIRO – Die Europäische Union intensiviert ihre Bemühungen, die Versorgung mit kritischen Mineralien zu diversifizieren. Im Mittelpunkt steht dabei Brasilien, das über die weltweit zweitgrößten Reserven an kritischen Mineralien verfügt. EU-Kommissar Jozef Sikela besuchte das Forschungs- und Verarbeitungszentrum für Seltene Erden des australischen Bergbauunternehmens Viridis Mining and Minerals im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais – eines von vier vorrangigen Projekten, die für eine beschleunigte EU-Brasilien-Zusammenarbeit ausgewählt wurden.
Sikela betonte gegenüber Reuters, dass der europäische Ansatz auf nachhaltiges Wirtschaften und lokale Verarbeitung Seltener Erden setze. Dies decke sich mit Brasiliens eigenem Ziel, höherwertig verarbeitete Mineralien statt Rohstoffe zu exportieren. „Es ist extrem wichtig, dass auch Brasilien sich von einem Geschäft mit geringen Margen wegbewegt, sodass die Wertschöpfung hier im Land erfolgt", sagte der Kommissar während seines Besuchs der Viridis-Anlage.
Konkrete Partnerschaft mit gegenseitigem Nutzen
Die geplante Partnerschaft sieht vor, dass die EU ihre Versorgung durch Abnahmeverträge absichert, während Brasilien beim Aufbau von Raffineriekapazitäten unterstützt wird. Zudem soll das Land Zugang zu neuen Technologien erhalten und in der Lieferkette zu margenstärkerer Produktion aufsteigen. Sikela bezeichnete Brasilien als den strategisch wichtigsten Partner der EU in Lateinamerika und als wachsende Volkswirtschaft.
Das Pilotprojekt von Viridis in Minas Gerais, das im Mai eingeweiht wurde, kann derzeit 100 kg Erz pro Stunde verarbeiten und jährlich bis zu 2,92 kg gemischtes Seltenerdkarbonat (MREC) produzieren. Das Unternehmen plant, 360 Millionen US-Dollar in eine kommerzielle Anlage zu investieren, die ab 2028 jährlich 15.000 Tonnen MREC produzieren soll. Die Lizenzen des Unternehmens umfassen eine Fläche von 228,62 km² in Minas Gerais.
Solvay als erster europäischer Partner
Ein konkreter Schritt in Richtung europäischer Zusammenarbeit ist bereits erfolgt: Viridis und das belgische Chemieunternehmen Solvay unterzeichneten in diesem Monat eine unverbindliche Absichtserklärung über die Lieferung von MREC. Diese könnte sich zu einer umfassenderen Partnerschaft entwickeln, die auch technologische Unterstützung bei der Verarbeitung umfasst. Viridis-CEO Rafael Moreno erklärte gegenüber Reuters, dass ein Vertrag mit Solvay potenziell bis Ende Juli abgeschlossen werden könnte.
Die Entwicklungen bei Viridis spiegeln den weltweiten Wettlauf um Seltene Erden und kritische Mineralien wider. Europa und die USA versuchen, ihre Abhängigkeit von China zu verringern – dem größten Produzenten von Materialien, die für Elektrofahrzeuge und Verteidigungssysteme unerlässlich sind. Sikela erklärte, die europäische Strategie ziele darauf ab, „Abhängigkeiten" in globalen Lieferketten nach Schocks wie der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine zu verringern – und betonte, dass dieses Thema über China allein hinausgehe.
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Zur AktienanalyseEU sieht sich im Vorteil gegenüber anderen Bietern
Auf die Frage, ob die EU zu spät in den Wettbewerb um Rohstoffvorkommen in Brasilien eingestiegen sei, zeigte sich Sikela selbstbewusst: „Unser Wertversprechen ist vorteilhafter als das, was andere wollen." Als wesentliche Unterscheidungsmerkmale nannte er Nachhaltigkeit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Bildung. Sikela hob das Viridis-Projekt besonders hervor, da es „alle Ziele erfüllt: Es schafft Arbeitsplätze, begründet neue Partnerschaften, bringt neue Technologien, Bildung und Wissenstransfer – und das alles auf Basis modernster ökologischer, sozialer und technischer Standards."
Neben Seltenen Erden betrachtet die EU auch Projekte mit Nickel und Lithium in Brasilien als prioritär. Zudem deutete Sikela Pläne an, eine Absichtserklärung mit der brasilianischen Regierung voranzutreiben, wobei Details noch verhandelt werden. Viridis-CEO Moreno erklärte, sein Unternehmen orientiere sich an den europäischen Leitlinien zur Diversifizierung der Lieferkette und bevorzuge einen Ansatz, der Partnern aus mehreren Regionen offenstehe. Ende Juni hatte er bereits mitgeteilt, dass sich Viridis in fortgeschrittenen Verhandlungen mit potenziellen Käufern in Europa und den USA befinde.


