EU plant erstes gemeinsames Mineralienlager gegen Chinas Dominanz
Brüssel will Wolfram, Seltene Erden und Gallium bevorraten, um die Abhängigkeit von Peking zu reduzieren.

Die Europäische Union treibt den Aufbau ihres ersten gemeinsamen Lagers für kritische Mineralien voran. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit bei lebenswichtigen Verteidigungs- und Technologierohstoffen zu gewährleisten – genau zu dem Zeitpunkt, da China seine heimische Bergbauproduktion drastisch einschränken will. Europäische Beamte verhandeln Berichten zufolge bereits mit den größten maritimen Drehkreuzen der Region über geeignete Lagerstandorte.
Laut einem Reuters-Bericht hat die EU Wolfram, Seltene Erden und Gallium in die engere Auswahl für den ersten Lagerbestand aufgenommen. Darüber hinaus werden Magnesium, Germanium und Graphit als potenzielle Kandidaten gehandelt. Informierte Kreise bestätigen, dass die Initiative direkt darauf abzielt, die Abhängigkeit der Union von Peking zu verringern.
Strategische Bedeutung der ausgewählten Rohstoffe
Die ins Auge gefassten Materialien bilden das Rückgrat der modernen Fertigung. Sie sind essenziell für Flugzeuge, Elektrofahrzeuge, Halbleiter sowie Infrastrukturen für erneuerbare Energien wie Windturbinen. Besonders bedeutsam: Alle betrachteten Elemente – mit Ausnahme von Magnesium – stehen bereits auf der NATO-Liste der 12 Elemente, die für den Verteidigungssektor als kritisch eingestuft werden.
Pekings überwältigende Dominanz bei der Gewinnung und Verarbeitung kritischer Mineralien wurde in der Vergangenheit wiederholt als Druckmittel in Handelsstreitigkeiten mit dem Westen eingesetzt. Die EU-Bevorratungsinitiative stellt damit eine der konkretsten Maßnahmen Europas gegen die Instrumentalisierung von Lieferketten dar. Westliche Nationen arbeiten insgesamt verstärkt an Partnerschaften für kritische Mineralien und dem Aufbau heimischer Lieferketten.
Chinas neue Bergbauregeln ab Juni 2026
Die Dringlichkeit in Brüssel fällt mit einer laufenden Regulierungsoffensive Pekings zusammen. Ab dem 15. Juni 2026 führt China im Rahmen neuer Bestimmungen für sein Mineralressourcengesetz Bergbaubeschränkungen für strategische Mineralien ein. Laut einer von der Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Regierungsrichtlinie werden die neuen Regeln Peking dazu ermächtigen, die Gesamtfördermenge festzulegen, Bergbauunternehmen einzuschränken und Sicherheitsüberprüfungen für ausländische Investitionen durchzuführen, die ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen könnten.
Gleichzeitig beschleunigt China den Aufbau eigener strategischer Mineralreserven, um die 2024 verabschiedeten Gesetze durchzusetzen. Neue Durchführungsbestimmungen sehen ein Mandat von mindestens fünf Jahren für die an der Quelle gesicherten strategischen Ressourcen vor. Jeder unbefugte Abbau oder Eingriff erfordert die direkte Genehmigung der Rohstoffbehörde des Staatsrats.
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Zur AktienanalyseRESourceEU-Strategie und G7-Präsidentschaft Frankreichs
Auf europäischer Seite hat die Europäische Kommission im vergangenen Dezember die „RESourceEU"-Strategie für kritische Mineralien angekündigt. Im Rahmen dieser Initiative wurden Arbeitsgruppen in zehn Mitgliedstaaten organisiert, angeführt von Frankreich, Deutschland und Italien. Frankreich hat die Diversifizierung von Mineralien zudem zu einer zentralen Säule seiner aktuellen G7-Präsidentschaft gemacht.
Parallel dazu führt die EU Gespräche über die Einrichtung eines ständigen Sekretariats. Dieses soll sicherstellen, dass der Lagerbetrieb über die rotierenden EU-Ratspräsidentschaften hinaus Bestand hat und eine langfristige institutionelle Kontinuität gewährleistet wird. Für deutsche Unternehmen und Investoren, die stark von Rohstoffimporten abhängig sind, könnte diese Entwicklung mittelfristig für mehr Planungssicherheit in der Lieferkette sorgen.


