EU-Mindestpreise für China-E-Autos: Experte sieht Strategie scheitern
Die neue EU-Strategie zu chinesischen Elektroautos könnte wirkungslos verpuffen. Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research kritisiert: Chinesische Hersteller verkaufen in Europa bereits mit massivem Preisaufschlag.

Die Europäische Union hat eine neue Leitlinie für chinesische Elektroautohersteller vorgestellt, die jedoch nach Expertenansicht ins Leere laufen könnte. Statt der 2024 eingeführten Zusatzzölle können Hersteller nun Mindestpreise für ihre Exporte in die EU akzeptieren. Doch diese Strategie basiert auf einer falschen Annahme, warnt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des privaten Instituts Center Automotive Research (CAR).
Preisaufschlag statt Dumping
Die Realität sieht anders aus als von der EU angenommen: Chinesische Hersteller agieren in Europa überhaupt nicht mit Dumpingpreisen. Im Gegenteil – laut CAR-Analyse verkaufen sie ihre Elektroautos mit einem durchschnittlichen Aufschlag von 118 Prozent auf den chinesischen Heimatpreis. Die 13 untersuchten Modelle kosten in China netto durchschnittlich 14.936 Euro, während europäische Kunden 32.573 Euro plus Mehrwertsteuer zahlen müssen.
"Beim aktuellen Preisniveau in Europa dürfte es für die chinesischen Hersteller noch deutliche Spielräume für Preissenkungen geben", folgert Dudenhöffer aus den Zahlen. Die mehr als doppelt so hohen Preise in Europa zeigen, dass die Hersteller ihre Modelle hierzulande deutlich teurer positionieren als auf dem Heimatmarkt.
EU-Zölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent
Die EU hatte die Zusatzzölle mit unfairen Subventionen begründet, die chinesischen Herstellern einen Preisvorteil von rund 20 Prozent verschaffen würden. Je nach Hersteller liegen die Zollsätze zwischen 7,8 und 35,3 Prozent. Betroffen sind nicht nur chinesische Marken, sondern auch deutsche und US-amerikanische Firmen, die in China produzieren.
China reagierte mit Vergeltungsmaßnahmen und verhängte Sonderzölle gegen EU-Waren wie Branntwein, Schweinefleisch und Milchprodukte. Die neue EU-Leitlinie sieht vor, dass neben Mindestpreisen auch Investitionen in der EU oder eine Begrenzung der Exporte positiv bewertet werden. Die chinesische Seite hat die Vorschläge bereits positiv aufgenommen.
Strategie statt Preiskampf
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Zur AktienanalyseHersteller wie BYD, MG oder Great Wall verfolgen in Europa eine andere Strategie als vermutet. Sie wollen mit technologischen Highlights wie großen Reichweiten und praktischen Kleinwagen Aufmerksamkeit erregen. "Hohe Werbe- und Vertriebskosten erlauben bei den kleinen Verkaufszahlen derzeit keinen Preiskrieg", erklärt Dudenhöffer die aktuelle Marktpositionierung.
Die neuen EU-Regelungen könnten somit an der Marktrealität vorbeigehen. Während die Politik von Dumpingpreisen ausgeht, zeigen die Daten ein völlig anderes Bild: Chinesische E-Auto-Hersteller haben in Europa erhebliche Preissenkungsspielräume, nutzen diese aber bewusst nicht.


