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EU lockert Fristen für Gasspeicherfüllung

Flexiblere Vorgaben sollen Preisspitzen vermeiden und Marktreaktionen besser steuern helfen

EU lockert Fristen für Gasspeicherfüllung

Die Europäische Union will künftig flexibler mit der Befüllung ihrer Gasspeicher umgehen. Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten haben sich darauf geeinigt, die bestehende Gasspeicherverordnung um zwei Jahre zu verlängern. Während das bisherige Ziel eines Füllstands von 90 Prozent beibehalten werden soll, soll der Zeitpunkt, bis zu dem dieses Ziel erreicht werden muss, zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember variieren dürfen. Zuvor galt der 1. November als feste Frist.

Hintergrund der Entscheidung ist die Absicht, Preisschwankungen auf dem Gasmarkt zu verringern. Strikte Vorgaben hatten in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich die Nachfrage auf bestimmte Monate konzentrierte. In Erwartung hoher Nachfrage stiegen die Preise im Vorfeld, was zu ungewöhnlichen Marktreaktionen führte. Gas war in den letzten Sommern oft teurer als im Winter – ein Phänomen, das unter normalen marktwirtschaftlichen Bedingungen selten ist.

Die neue Regelung soll es den Marktteilnehmern ermöglichen, Gas flexibler über das Jahr hinweg einzukaufen – also dann, wenn die Preise günstiger sind. Diese Anpassung könnte auch zur Stabilisierung der Preise beitragen. Tatsächlich war bereits nach der Ankündigung der geplanten Flexibilisierung Anfang des Jahres ein leichter Rückgang des Erdgaspreises zu verzeichnen.

Ein weiterer Faktor, der den Gaspreis aktuell beeinflusst, ist die geopolitische Lage. Hoffnung auf eine Entspannung des Konflikts zwischen Israel und dem Iran führte kürzlich zu einem deutlichen Preisrückgang am Gasmarkt. Der maßgebliche europäische Terminkontrakt TTF für Lieferungen im kommenden Monat fiel um mehr als zwölf Prozent und wurde zeitweise zu rund 35,40 Euro pro Megawattstunde gehandelt – ein Preisniveau, das zuletzt vor Ausbruch des Konflikts erreicht wurde.

Trotz der Entspannungstendenzen bleiben die Gasspeicher in Europa derzeit deutlich leerer als in den Vorjahren. In der gesamten EU liegt der Füllstand bei etwa 57 Prozent, in Deutschland – das fast ein Fünftel der EU-Speicherkapazitäten stellt – bei rund 48,5 Prozent. In den Vorjahren lagen die Werte zu diesem Zeitpunkt bei über 70 Prozent. Die Speicherreserven decken laut EU-Kommission etwa ein Drittel des Gasverbrauchs in den Wintermonaten.

Mit der geplanten Flexibilisierung der Speicherfristen will die EU der durch den Ukraine-Krieg verschärften geopolitischen Unsicherheit Rechnung tragen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit gewährleisten. Die neuen Vorgaben müssen noch formal vom Parlament und den Mitgliedstaaten angenommen werden.

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