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EU-Kommission senkt Wachstumsprognose wegen Nahostkonflikt und Energiepreisen

Der Nahostkonflikt löst einen neuen Energieschock aus und bremst die Eurozone – die EU-Kommission revidiert ihre Prognosen deutlich nach unten.

EU-Kommission senkt Wachstumsprognose wegen Nahostkonflikt und Energiepreisen

Die Wirtschaft der Eurozone wird sich im Jahr 2026 spürbar verlangsamen. Auslöser ist der Krieg im Nahen Osten, der einen zweiten Energieschock innerhalb von weniger als fünf Jahren ausgelöst hat. Das teilte die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Die Schwere der wirtschaftlichen Folgen hänge dabei maßgeblich davon ab, wie lange der Konflikt andauere.

Der Anstieg der Ölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel treibt die Inflation in die Höhe und belastet die Stimmung bei Unternehmen und privaten Haushalten gleichermaßen. „Vor Ende Februar 2026 war die EU-Wirtschaft auf Kurs, bei einem weiteren Rückgang der Inflation in moderatem Tempo weiter zu expandieren, doch seit dem Ausbruch des Konflikts hat sich der Ausblick grundlegend geändert", erklärte die EU-Exekutive in einer offiziellen Mitteilung.

Revidierte Wachstums- und Inflationsprognosen

Die EU-Kommission prognostiziert nun, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im Jahr 2026 nur noch um 0,9 Prozent wachsen wird – nach 1,3 Prozent im Jahr 2025. Für 2027 erwartet Brüssel eine leichte Erholung auf 1,2 Prozent. In der vorherigen Prognose vom November lagen die Erwartungen noch bei 1,2 beziehungsweise 1,4 Prozent – die Abwärtsrevision fällt damit deutlich aus.

Gleichzeitig hob die Kommission ihre Inflationsprognosen erheblich an. Für 2026 wird nun eine Teuerungsrate von 3,0 Prozent erwartet, nach zuvor 1,9 Prozent. Für 2027 stieg die Prognose von 2,0 auf 2,3 Prozent. Diese Zahlen liefern der Europäischen Zentralbank (EZB) zusätzliche Argumente für eine Zinserhöhung.

Es gilt als nahezu sicher, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 11. Juni die Kreditkosten anheben wird. Störungen in der Schifffahrtsstraße von Hormus hatten zuvor zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise geführt und die Inflation im Euroraum deutlich über das 2-Prozent-Ziel der Notenbank getrieben. Die Finanzmärkte rechnen mit einem oder zwei weiteren Zinsschritten in den folgenden zwölf Monaten.

Negativszenario: Keine Erholung bei andauerndem Krieg

Die Kommission betonte, dass das Hauptrisiko für ihre Prognosen in der Dauer des Nahostkonflikts liege. Die den Schätzungen zugrunde liegenden Daten hatten einen Stichtag von Ende April bis Anfang Mai. Obwohl ein fragiler Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran besteht, bleibt die Straße von Hormus faktisch geschlossen.

Angesichts dieser Unsicherheit hat die EU-Exekutive ein Alternativszenario entwickelt, das eine längere Unterbrechung der Energieversorgung unterstellt. In diesem Fall würden die Energiepreise erst Ende 2026 ihren Höchststand erreichen und bis Ende 2027 nur allmählich auf das Ausgangsniveau zurückkehren. Die Inflation würde dann nicht nachlassen, und eine wirtschaftliche Erholung im Jahr 2027 bliebe aus. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte, dass sich die Wachstumsprognosen für dieses und das nächste Jahr im Falle des Negativszenarios in etwa halbieren würden.

Binnenkonsum als wichtigster Wachstumstreiber

In ihrer Hauptprognose geht die Kommission davon aus, dass der Binnenkonsum der wichtigste Wachstumstreiber bleiben wird. Allerdings sank das Verbrauchervertrauen auf ein 40-Monats-Tief, als die Vereinigten Staaten und Israel Luftangriffe auf den Iran starteten. Die Unternehmensinvestitionen dürften durch strengere Finanzierungsbedingungen, geringere Gewinne und erhöhte Unsicherheit gebremst werden.

Zusätzlich dämpft eine schwächere Auslandsnachfrage das Exportwachstum der Eurozone. Dennoch sieht die EU-Behörde die europäische Wirtschaft besser gerüstet als beim Energieschock von 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Als Grund nennt Brüssel Investitionen in die Diversifizierung der Energieversorgung, die Dekarbonisierung sowie einen insgesamt gesunkenen Energieverbrauch.

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