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EU-Klimapolitik: Vorreiter wie Outokumpu drohen zu verlieren

Unternehmen, die früh in Dekarbonisierung investierten, könnten beim Rückzug der EU von Klimazielen das Nachsehen haben.

EU-Klimapolitik: Vorreiter wie Outokumpu drohen zu verlieren

Für den finnischen Edelstahlproduzenten Outokumpu gehören Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit zusammen. Das Unternehmen bezieht rund 90 Prozent seines Stroms aus kohlenstoffarmen Quellen und stellt Metalle fast vollständig aus recycelten Materialien her. Das verwendete Chrom, ein zentraler Rohstoff für Edelstahl, stammt aus eigenen Minen.

Durch den Einsatz günstiger, sauberer Energiequellen in Finnland und weltweit hofft Outokumpu, stärker emittierende Konkurrenten zu übertreffen – in der Erwartung, dass die CO2-Preise schrittweise steigen werden. Doch genau dieses Kalkül gerät ins Wanken. Die Financial Times hat Outokumpu als eines jener Unternehmen identifiziert, die als Vorreiter beim Klimaschutz zu den Verlierern gehören könnten, falls die EU weiter von ihren Klimazielen abrückt.

„Wir haben investiert und den Weg eingeschlagen", sagt Heidi Peltonen, Vice President für Nachhaltigkeit bei Outokumpu. „Laute Stimmen haben das nicht getan, und wir hoffen, dass es eine Belohnung für die Vorreiter geben wird." Der teilweise in Staatsbesitz befindliche Metallkonzern setzt bereits seit den 1980er Jahren Elektrolichtbogenöfen ein – seit der Einführung des Green Deal der EU im Jahr 2019 habe man jedoch verstärkt in die Dekarbonisierung investiert.

Politisches Pendel schwingt zurück

Der EU Green Deal, ein Maßnahmenpaket zur Senkung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 bis zum Jahr 2030, hat in der Industrie erhebliche Investitionen ausgelöst. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die EU ihre Emissionsziele für 2030 fast erreichen wird, was vor allem auf den flächendeckenden Ausbau von Solar- und Windkraft zurückzuführen ist.

Doch das politische Klima hat sich verändert. Führende Politiker in großen europäischen Ländern wie Deutschland und Italien stellen die wirtschaftlichen Auswirkungen einiger Regulierungen infrage, da sie im Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten stehen, die nicht denselben Verpflichtungen unterliegen. Mehrere ehrgeizige Klimamaßnahmen wurden bereits abgeschwächt, wobei Branchen wie die Chemie- und Luftfahrtindustrie in Brüssel für eine Lockerung der Regeln lobbyierten.

Konkret hat die EU-Kommission im vergangenen Jahr die Gesetzgebung zur Entwaldung abgeschwächt und Leder in die Liste der ausgenommenen Materialien aufgenommen. Zudem wurde das Ziel aufgegeben, den Verkauf neuer Verbrennungsmotoren bis 2035 schrittweise einzustellen. Außerdem wurden internationale CO2-Gutschriften in die Klimaziele für 2040 aufgenommen, was es Regierungen ermöglicht, Emissionsminderungen in andere Länder auszulagern.

Das Emissionshandelssystem unter Druck

Die wichtigste Säule der Dekarbonisierung für Industrieunternehmen bleibt das europäische Emissionshandelssystem (ETS). Dieses marktbasierte Instrument verpflichtet Unternehmen, Zertifikate für ihren CO2-Ausstoß zu erwerben, die dann gehandelt werden können – das schafft einen finanziellen Anreiz zur Dekarbonisierung. Unternehmen erhalten jedes Jahr einige kostenlose Zuteilungen, die jedoch schrittweise abgeschafft werden sollen.

Ergänzt wird das ETS durch das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM), das sogenanntes Carbon Leakage bekämpft, indem es eine Abgabe auf kohlenstoffintensive Importe in die EU erhebt. Davon profitieren besonders jene Unternehmen, die bei der Dekarbonisierung schneller vorangekommen sind.

Das ETS steht jedoch unter erheblichem Druck. Einige Mitgliedstaaten machen es für die bereits stark gestiegenen Energiekosten verantwortlich. Der CO2-Preis liegt derzeit bei 76 Euro pro Tonne Kohlenstoff – deutlich unter dem Ziel von 100 Euro, das Outokumpu für 2030 erwartet hatte. Eine Überprüfung der ETS-Richtlinie wird im Juli vorgelegt, wobei der jüngste Vorschlag Kompromisse vorsieht, bei denen der Zeitplan des Systems im Gegenzug für Investitionen in der EU verlängert würde.

Länder wie Italien, Tschechien, Bulgarien, Polen, Rumänien, Griechenland und die Slowakei haben die EU aufgefordert, ihre Schwerindustrie vor CO2-Kosten zu schützen, und baten um eine Erhöhung der Emissionszertifikate. Auf der anderen Seite forderten im März rund 150 Unternehmen ein „robustes ETS, um wettbewerbsfähig zu bleiben und investieren zu können".

Langfristige Vision gefordert

Trotz der politischen Rückschritte in einigen Bereichen sieht Peltonen die Grundlagen als stabil an: „Die großen politischen Instrumente, die sich auf das Unternehmensergebnis auswirken, kommen voran." Auch Diederik Samsom, einer der Architekten des Green Deal, zeigte sich gegenüber der FT optimistisch: „Wir wussten, dass es Gegenwind geben würde, denn ich bin nicht neu auf diesem Planeten. Aber es gibt viel Grund zu Optimismus."

Dennoch mahnt Peltonen zur Verlässlichkeit der EU-Politik: „Am wenigsten hilfreich ist das Hin und Her. Wir brauchen die langfristige Vision, denn sonst schaden wir der Industrie." Für Unternehmen wie Outokumpu, die frühzeitig und konsequent in grüne Technologien investiert haben, hängt die Wettbewerbsfähigkeit direkt davon ab, dass die EU ihren Kurs beibehält – und Pionierleistungen belohnt statt bestraft.

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