EU-Energieminister diskutieren heimische Gasförderung wegen Iran-Kriegsfolgen
Angesichts steigender Energiepreise durch den Iran-Konflikt prüfen EU-Minister ungewöhnliche Schritte zur Stärkung heimischer Gasproduktion.

Die Energieminister der EU-Mitgliedstaaten werden in der kommenden Woche einen ungewöhnlichen Schritt unternehmen: Sie wollen die heimische Erdgasförderung erörtern. Das geht aus einem internen Vorbereitungsdokument hervor, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Hintergrund ist der Versuch der Regierungen, die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges abzufedern.
Die EU ist strukturell stark von Gasimporten abhängig – rund 80 Prozent ihres Bedarfs werden durch Einfuhren gedeckt. Seit US-israelische Luftangriffe den Krieg Ende Februar auslösten, hat die Europäische Union massive Preisschocks an den internationalen Energiemärkten erlebt. Die Störungen im Nahen Osten gelten als beispiellos in ihrer Wirkung auf die globalen Energiemärkte.
Zypern leitet die Diskussion
Das Vorbereitungsdokument für das Ministertreffen wurde von Zypern erstellt, das derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat. Zypern selbst verfügt über Offshore-Erdgasreserven und hat damit ein unmittelbares Interesse an dem Thema. In dem Dokument heißt es wörtlich: „Wie bewerten Sie angesichts der aktuellen Preisschocks und der Volatilität des globalen LNG-Marktes die Rolle heimischer Gasressourcen als kollektiven Mechanismus zur Preisstabilität für die gesamte Union?"
Gleichzeitig benennt das Dokument die zentrale Herausforderung: Es gelte, Anreize für die Nutzung heimischer Reserven zu schaffen, „ohne uns an kohlenstoffintensive Systeme zu binden, die unsere langfristigen Klimaziele untergraben". Ein Sprecher der zyprischen Ratspräsidentschaft betonte, das Ziel sei ein „pragmatischer Blick" auf die Energiesicherheit. „Es geht um Vorsorge und Ausgewogenheit, nicht um eine Umkehr der Energiewende", so der Sprecher.
Brüssel hatte seit Ausbruch des Konflikts erklärt, weiterhin an seinem Plan festhalten zu wollen, die Energiesicherheit durch den Ausbau sauberer Energien zu verbessern und die Abhängigkeit von volatilen Öl- und Gasmärkten zu verringern. Die nun geplante Diskussion über heimische Gasförderung zeigt jedoch, dass der Druck durch die Energiepreiskrise zunimmt.
Heimische Produktion hat sich halbiert
Die EU-interne Gasförderung hat sich im vergangenen Jahrzehnt halbiert. Zwei wesentliche Gründe werden dafür genannt: geringe Investitionen in neue Explorationen sowie die Entscheidung der Niederlande, ihr riesiges Gasfeld in Groningen zu schließen. Die Schließung erfolgte, um seismische Aktivitäten zu verhindern, die Tausende von Gebäuden beschädigt hatten.
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Zur AktienanalyseEinige EU-Diplomaten werten die geplante Diskussion als Zeichen einer wachsenden Offenheit innerhalb der EU, die heimische Produktion stärker in Betracht zu ziehen. Dabei ist zu beachten: Die Verantwortung für nationale Energieressourcen liegt bei den einzelnen Mitgliedstaaten, nicht bei der EU-Kommission in Brüssel.
Rumänien und Zypern gelten als die Länder mit den größten kommerziell gewinnbaren Gasreserven innerhalb der EU. Beide Staaten planen bereits, ihre heimische Produktion auszuweiten. Für Deutschland und andere stark importabhängige Länder könnte eine gesteigerte EU-interne Förderung mittelfristig zur Entlastung der Energiepreise beitragen.


